Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

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Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


gnietschig
im 19. Jh. geizig . Heute für mürrisch, meist in der Form gnatschig. Eine Gnietsche ist eine übellaunige, mißvergnügte Person ebenso wie Gnietschkatze oder Gnietschpeter.

gnurpsen
ein knarrendes Geräusch von sich geben.

Gold-Else
Figur auf der Siegessäule.

Gondel
Kopf.

Gott
Obwohl viele Berliner nicht bibelfest sind, spielt der »liebe Gott« eine nicht unwesentliche Rolle: »Jehnse mit Jott, aber jehnse!« Die Äußerung »Jott, steh mir bei« drückt Verwunderung aus, während die indirekte Aufforderung »Mach da mit†™n lieben Jott bekannt!« ein diskreter Hinweis auf das nahende Ende ist. Wer bei so viel Pietätlosigkeit ausruft: »Sie sind wohl janz von Jott verlassen!«, meint: Sie sind nicht recht bei Trost! Vielleicht tröstet ihn »dit reene Wort Jottes«, nämlich ein guter Schnaps.

gottsjämmerlich
sehr schlecht. »Mir is jottsjämmerlich (Lautvariation zu kotzjämmerlich) zumute.«

gottvoll
oder auch göttlich reizend. »Dit is ja †™ne jottvolle Story.«

Graf Koks (von der Gasanstalt)
bezeichnet einen »feinen Ø Pinkel« ebenso wie die anderen Vertreter des Berliner Adels: Graf Rotz von der Popelsburg und Graf Kacke.

Granatenbutze
Bezeichnung für Frau.

grapschen
greifen. Vielleicht von poln. grabic = raffen, rauben.

Graul
Grauen. »Ick krieg schon †™nen Graul, wenn ick dit nur sehe.« Sich graulen bedeutet sich fürchten, Angst haben.

Grieben
sind nicht nur die gebräunten Fettrückstände beim Auslassen von Schweine- oder Gänseschmalz, sondern auch ein Ausschlag am Mund (Herpes), der in der Regel durch zu fettes Essen hervorgerufen wird. Von mhd. griebe = ausgelassener Fettwürfel.

Griepsch
(mhd., obs.) Appelgriepsch = Kerngehäuse des Apfels.

Griffel
Finger.

Grips
(nordd.) Verstand. Von der Iterativform `gripsen` für grippen = an sich raffen.

Groschen
(mhd. grosse = Dickpfennig, lat. grossus = dick) Zehnpfennigstück.

Großer Gelber
Doppeldeckbus.

Großkotz
(aus Klein-Pankow) Prahler, überheblicher Mensch. Auch adjektivisch: »So†™n, großkotz†™jer Typ!«

Großmutter
»Dit kannste deine Großmutter erzähl†™n, aber nich mir.«, das glaube ich nicht.

Großschnauze
jemand, der die Schnauze weit aufreißt, der prahlt.

Grüne Minna
Polizeiwagen.

Grüneberger
saurer Wein, ursprünglich der Wein aus Grünberg.

Grütze
(frühneuhd. Kritz) Verstand. »Der hat Grütze im Kopp!«

grölen
(mnd. gralen lärmen) schreien, herumsingen. In einer Beschreibung Berlins aus dem Jahre 1792 steht, daß bei Hochzeiten die Kurrende »während dem Essen erscheint und einige bekannte Kirchengesänge hergrölet.«

Gulli bzw. Gullpopo
Gulasch.

Gully
(engl.) 1. Kanalisationsdeckel und 2. Abwasserschacht. Auch allgemein für einen Abfluß.

Gummi
Taxi. »Nehm†™ wa uns †™n Gummi?«

Gummiadler
(ostberl.) für Broiler, die Bezeichnung für Brathähnchen im DDR-Wortschatz. Bereits stud. in den 50er Jahren belegt.

Gummifinger
(ostberl.) Bratwurst mit Kunstdarm.

Gummihacken
für Ø Bulette. Ebenso Gummimuffe und Gummipuck.

Gummipuppe
dickliches Mädchen, dicklicher Teeny.

Haar
wem die »Kniescheibe durch de Haare wächst«, der kriegt eine Glatze.

Haaseken
Freund Ø auch Häseken.

haben, sich
sich zieren, sich aufregen. »Nu ham Se sich doch nich so!«, regen sie sich doch nicht so auf, seien sie nicht beleidigt.

Hackding
für Ø Bulette.

Hacke
1. Ferse, Hacken. Wer sich »die Hacken ablooft«, der ist vergeblich unterwegs. 2. Kopf. »Wer †™n Ding anna Hacke hat«, der »hat †™n Ding am Kopp«.

hacken
ankleben, festsitzen.

Hackenporsche
Bezeichnung für den Ø Rentnerkarren, einem kleinen Einkaufswagen.

Hackepeter
gehacktes Schweinefleisch mit Pfeffer und Zwiebeln. Drohung: »Aus dir mack ick Hackepeter!«

Hadscheeh
Abschiedsgruß, Verschmelzung aus Hatschi und Adieu bzw. Ø Atschö.

halb
»Wie jeht†™s?« - »Halb und halb.« Anspielung auf einen ebenso bezeichneten Schnaps von der Firma Mampe. »Wie war jestern dit Spiel?« - »Nüscht Halbet und nüscht Janzet.«, nicht so gut.

Halber
»†™nen Halben, bitte!«, ein Glas Bier mit 0.4 l.

halblang
»Mach mal halblang!«, übertreib nicht so.

Halbstadt
früher für West-Berlin.

Hallelujah-Staude
Weihnachtsbaum.

hallweje
wie Ø halblang.

Halsweite
»Dit is nich meine Halsweite.«, das ist eine Nummer zu groß für mich.

Hambutten
Hagebutten.

Hammelbeene
untere Extremitäten. Drohend: »Dir werd†™ ick de Hammelbeene langzieh†™n.« Mit Bezug auf die Kastration des Schafbockes: Um die Hoden erreichen zu können, zieht man dem Tier die Beine lang.

Hamster melken
Toilette aufsuchen. Ausruf des Erstaunens: »Ick gloob meen Hamster bohnert.«

Hanake
wie Ø Kanake ein Schimpfwort. Die Hanaken sind eine tschechische Ethnie in Mähren.

handlich
sehr groß.

Handschuhe
»Das ist meinem Vater ganz recht, warum kooft er mir keene Handschuhe.« Nach Trachsel (1873) eine aus einer Gerichtsverhandlung ins Volk übergegangene Redensart, mit der der Berliner seine Gleichgültigkeit über einen ihm gemachten Vorwurf ausdrückt.

Handtuch
1. langes, schmales Zimmer. 2. schlanker Mensch

Hanne
Schwächling, schwächlicher Charakter. In diesem Sinne auch Hannefatzke, Hannepampe, Hannepiepe, die auch in der Bedeutung von `Kaspar` gebraucht werden.

happenpappen
essen. Als Substantiv Speise, Bissen. Von mhd. peppe = Speise und nd. happen = schnappen, verschlingen.

happig
viel, stark, begierig. »Die Preise sind janz schön happig!«

Harke
»Dir werd†™ ick zeigen, wat †™ne Harke ist.« (Drohung) Geht wohl nicht - wie immer wieder behauptet - auf die Liebe der Berliner zu ihren Kleingärten zurück, sondern auf die strafende germanische Göttin Harke, die auch als Frau Holle das Böse straft und das Gute belohnt, oder auf die Drohung, man wolle seinem Opponenten das Gesicht mit dem »Rechenzinken«, der Hand, zerkratzen.

hartleibig
hartherzig. Beim Geizigen ist nicht nur das Herz, sondern auch der Stuhl verhärtet.

Hasenbrot
ist jenes Brot, das z. B. von Kindern aus der Schule wieder mit nach Hause gebracht wird. Geht entweder auf den in Norddeutschland verbreiteten Glauben zurück, daß der Hase Brot bringt, oder darauf, daß nicht mehr frisches Brot als Kaninchenfutter verwendet wird.

Hasenjacht
»Dit is ja schneller als uff de Hasenjacht!«, das geht äußerst schnell.

Haue
Prügel, Schläge.

Hauer
großer Zahn. Eigentlich die großen Eckzähne des Ebers.

Hausbiene
Wanze.

Hausfrauenblick
schielender Blick. Wer einen Hausfrauenblick hat, »der schielt links nach de Wäsche und rechts nach de Klammern«.

Hausknochen
Hausschlüssel.

Hausknüppel
wie Ø Hausknochen.

heben, einen
»Komm, wir jeh†™n een†™ heben!«, wir gehen einen trinken.

Hecht
dichter Tabaksqualm im Zimmer. Substantiviert von nd. hecht = dicht.

Hechtsuppe
»Dit zieht wie Hechtsuppe.«, es zieht sehr stark. Nach einer Lesart Anspielung darauf, daß eine Fischsuppe lange ziehen muß. Andere Quellen verweisen auf Jiddisch ,hech suppa = wie eine Windsbraut, wie ein Orkan'.

Heckmeck
Durcheinander, Unsinn. »Mach nich so†™n Heckmeck!« Vielleicht beeinflußt von meck, dem Laut der Ziege, vgl. meckern; mnd. hak unde mak.

heftig
unverschämt, überteuert.

heideritzken
schnell.

heidi
(nordd.) »Ab heidi!«, mit Betonung auf der zweiten Silbe, jetzt schnell ins Bett.

heien
das Heu wenden, einsammeln. Im 19. Jh. als Charlottenburger Dialekt vermerkt.

heiern
1. schlafen und 2. schlagen.

Heini
verächtliche Bezeichnung für Personen, die man nicht mag. heiße Schrippe

heißen
»Dit heißt nich »heeßt«, sondern heißt »heißt«. Ironische Verspottung derjenigen, die berlinern.

heiter
»Dit kann ja noch heiter werden!«, ironisch für »das kann ja noch interessant, amüsant werden.«

helle
klug.

Helles, kleines
kleines helles Bier.

hellicht
hell.

Helmut
Polizist. Abgeleitet von Helmhut, der Pickelhaube aus der Kaiserzeit. Von 1918 bis Anfang der 50er Jahre nur noch Ø Tschako.

Henkel
»Du hast wohl nich mehr alle Henkel anner Kanne!«, du spinnst wohl, du hast sie wohl nicht mehr alle.

Heringsbändiger
im 19. Jh. für einen Diener im Kolonialwarenladen, heute abwertend für einen Verkäufer im Tante-Emma-Laden.

Heringsfritze
Ø Fritze.

Herreninfektionsgeschäft
Bordell.

Heuboden
nannte man die Galerie im Sportpalast.

Heulboje
Sänger.

Heule
Radio.

Heuler
»der letzte Heuler«, abfällige Bemerkung über eine Sache oder eine Person.

Heulsuse
1. plärrendes Kind und allgemein für Menschen, die ständig jammern. 2. Schimpfwort.

hier
»Du bist wohl nich von hier?«, wohl nicht gescheit?

hille hille
(ostberl.) schnell.

Himmelszicke
Schimpfwort für eine Frau, ebenso wie Himmelsziege.

hin
»Der is hin!« Bezeichnung für die Tatsache, daß jemand gestorben ist bzw. körperlich oder geistig verfällt. Eine Einsicht in die Notwendigkeit wird kommentiert: »Weg is weg und hin is hin.« Wer »hin und weg ist«, der ist hin- und hergerissen, begeistert.

hindämeln
schlendern.

hinhunzen
etwas verschleißen, kaputt machen. Auch verhunzen.

hinschlagen
»Da schlag eena lang hin!« (Ausdruck des Erstaunens). Häufig mit dem Zusatz: »...und steh†™ kurz wieder uff.«

Hinterhofpflanze
bezeichnet eine Person »aus†™m Milljöh«.