Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

Die Wörterliste gibt es nicht mehr oder die Website ist nicht (mehr) online. Nachstehend finden Sie eine Kopie der Informationen. Eventuell ist die Information nicht mehr aktuell. Wir weisen Sie darauf hin, bei der Beurteilung der Ergebnisse kritisch zu sein.
Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


Friedhofsgemüse
1. ironisch für welke Blumen und 2. für eine Gruppe von Menschen, deren Schicksal unausweichlich erscheint. 3. jgdsprl. für alte Menschen.

Friedrich Wilhelm
Unterschrift. »Da muß ick noch meinen Friedrich Wilhelm runtersetzen.« Beruht auf den in Preußen häufig vorkommenden Königsnamen.

Fritze
produktives Element in zahlreichen Zusammensetzungen für Händler, Verkäufer und Handwerker: Zijarrenfritze ist der Verkäufer in einem Tabakladen bzw. der Tabakladen an sich. In diesem Sinne auch: Jemüsefritze, Eierfritze, etc. Fritz war ein beliebter Vorname im 19. Jh. und wurde/wird in Berlin in der Ausrufeform mit einem -e versehen, z.B. »Hallo Fritze!«.

Frontlader
Gabelstapler.

Früchtchen
1. freches Kind und 2. krimineller Erwachsener.

fuchswild
Gegenteil von lammfromm. Vorform von fuchsteufelswild.

fuhrwerken
sich einmischen. »Fuhrwerk ma da nich dazwischen.« Bei Glaßbrenner im Sinne von hantieren: »Nu stund unjlicklijer Weise der Emmer hinter dissen Stuhl, un wie er nu mit †™n Kopp rinfuhrwerkte, fuul der Emmer um...«

funken
Wenn es zwischen zweien »jefunkt hat«, dann haben sie sich gefunden. Die Äußerung: »Jetz†™ funkt†™s aber!«, ist eine Androhung von Schlägen.

Furzkruke
schwache, nicht wirklich ernst gemeinte Beleidigung.

Fußbodendompteusauch Fußbodenmasseuse, Fußbodenkosmetikerin
spöttisch für Raumpflegerin. Wer sauber machen geht, der »jeht uff Fußbodenmaniküre.«

Fusseln
im 19. Jh. für Geld. »sich das Maul fusselig reden«, ohne Erfolg reden.

Fußlappen mit Flöhe
unschmackhaftes Essen. Fußt auf umgs. `Fußlappen` für ein Essen mit großen Kohlstücken.

futsch auch futschikato
verloren, kaputt. »Dit Jeld is futsch.« Ist wahrscheinlich als lautnachahmende Bildung zu erklären, vgl. futschen = schlüpfen, vorbeihuschen.

Futschen
Hausschuhe.

Futterage
(vermutlich fußend auf frz. fourage) Eßwaren.

Futterluke
Mund. Abgeleitet von der Öffnung.

fuzelig
im 19. Jh. für betrunken.

fuzzelig
äußerst klein.

GabiKo
(ostberl.) ganz billiger Korn.

Galan
(span. galan = Liebhaber, Verehrer) jemand, der vornehm tut. Auch allgemein für Freund einer Frau: »Dein Galan hat wieder anjeruf†™n.«

Gang
»Warum is dit wieder nich im Jange?«, warum funktioniert es nicht.

gar nichts
»Ick sach janüscht.«, ich habe keine Meinung, ich übernehme keine Verantwortung.

Gardinenstange
flachbrüstige Frau.

gebacken
»So wie wir jebacken sind.«, so wie wir gebaut, beschaffen sind.

geblaßmeiert
angeschmiert.

gebont
»Dit is jebont!«, abgemacht, wird erledigt. Hergenommen von Kassenbon.

Geborene
»ne Jeborene von und zu« ist eine Adlige.

Gebratene Schrippe
für Ø Bulette.

gebumfiedelt
Wer sich geschmeichelt vorkommt, der fühlt sich »jebumfiedelt«.

Gedrängte Wochenübersicht
scherzhaft für Ø Bulette, weil - so die Annahme - Reste von Mittagsgerichten einer Woche verarbeitet werden.

Gedächtniswärmer
Baskenmütze.

geforben
gefärbt.

gefressen
weder kulinarisch noch kannibalistisch gemeint, sondern wenn man von jemandem sagt: »Den hab ick jefressen!«, meint dies, daß man diese Person nicht ausstehen kann.

gefällig
drohend: »Da is wat jefällig!«, da passiert gleich etwas.

Gegend
»†™ne schöne Jejend is dit hier.« Gegend bezeichnet in diesem Falle unwirtliche Orte, Plätze etc. sowie Gegenden außerhalb Berlins. Die Redensart geht zurück auf Glaßbrenner. »Weit und breit nüscht wie Jejend!«, d. h. nur Landschaft.

Gegenteil
wird als Verneinung gebraucht mit leicht ironischem Unterton. »Haste Hunger?« - »Janz im Jejenteil.«

gehörig
stark, sehr. »Dit war †™ne janz jehör†™je Portion Eisbeen.«

Geist
»Du jehst ma uff†™n Jeist!«, du gehst mir auf die Nerven. Ein geistiger Kleingärtner oder Kleinrentner ist geistig obdachlos, d. h. schlicht und einfach ein Dummkopf.

Geizhammel
geiziger Mensch.

Gelaber
Geschwätz. Ø labern.

gelacht
lachhaft. »Wär ja jelacht, wenn wa dit nich schaffen würden.«

gelackmeiert
angeschmiert. Wenn jemand den Kürzeren zieht, ist er der Jelackmeierte. Aus lackieren im Sinne von »hereinlegen , betrügen« und meiern = foppen, täuschen.

geladen
1. »Der hat schwer jeladen heut.«, er hat viel Alkohol getrunken. 2. »Warum bist †™n so jeladen?«, so aggressiv, wütend.

gelernt
»Jelernt is jelernt.«, d. h., man beherrscht eine Sache perfekt.

gelitten
geläutet.

gelungen
originell, merkwürdig.

gemacht
»Is jemacht!«, wird erledigt.

gemischt
ordinär, anstößig.

Gemüse, junges
Kinder, junge Leute.

Gemüseathlet
krasser Egoist.

Gemüte führen, sich etwas zu
trinken.

Gemütsathlet
herzloser Mensch, der ein Jemüt wie†™n Schaukelpferd hat.

genau
»Nüscht Jenauet is nich raus.«, etwas Genaues weiß man nicht.

genehmigen, sich einen
trinken.

genormt latschen
tanzen.

genügen
»`Dit jenücht`, sagt der Staatsanwalt.«, abschließende Kommentierung einer Handlung. Übernommen aus einer Gerichtsszene von Albert Hopf (1845).

gerammelt
sehr, äußerst. »Die Küche war jerammelt voll.«

gerieben
schlau, hinterlistig. »Dit is †™n janz jerieb†™nes Bürschchen.«

geringst
»Im jeringsten janich.«, nicht im geringsten. Ø auch gar nicht.

gerissen
schlau.

geritzt
»Is jeritzt!«, die Sache ist erledigt, in Ordnung.

Gesabber
Geschwätz (von »Sabber« Speichel, nd. sabbeln). »Hör doch mal uff mit dem Jesabber.«

gescheit
ordentlich, brauchbar. Beim Skat: »Jib ma mal jescheite Karten!«

geschenkt
»Dit nehm ick nich jeschenkt!«, das nehme ich nicht. Verstärkung der Negation.

Geschichte
1. Umstände, 2. etwas Kompliziertes. »Wat hast†™n?« - »So†™ne Blinddarmjeschichte.«

Geschmadder
unsaubere Schrift, Geschmiere.

geschmiert
»Dit jeht ja wie jeschmiert.«, das geht hervorragend, läuft wie ein gut geschmiertes Wagenrad.

geschnitten
»Da haste dich aber jeschnitten.«, verkalkuliert.

geschwollen
jemand, der »jeschwollen daherredet«, redet mit Pathos oder bemüht sich um eine `feine` Sprechweise.

Geseier
(jidd. gesera = Bestimmung, Verordnung) Klagen, weinerliches Herumreden.

Gesichte
»Mach nicht so†™n Jesichte.«, schau nicht so mürrisch oder auch traurig drein.

Gesichtserker
Nase.

Gesockse
Schimpfwort für die Sachsen nach 1945. Von daher auch Sachsengesocks. Heute allgemein abwertende Bezeichnung für einzelne Gruppen von Menschen. Früher für arme Leute, Leute die keine Socken, kein Schuhwerk besaßen.

Gestell
»Mensch, ist dit†™n Jestell!«, ist das ein hagerer Mensch.

gestohlen
»Der kann ma jestohl†™n bleiben.«, sagt der Berliner über jemanden, der bleiben kann, wo der Pfeffer wächst.

gesund
schlau, praktisch.

gesundstoßen, sich an etwas
Wohlstand erlangen, Profite machen. Aufgekommen im 19. Jh. im Zusammenhang mit Aktienschiebereien.

gewieft
(mhd. wifen = schwingen) schlau, raffiniert.

Gewitterflinte
Regenschirm.

Gewittertüte
Regenkapuze.

Gewitterziege oder auch Gewitterzicke, Gewitterhexe
Bezeichnung für eine zänkische, übel gelaunte oder auch meckernde Frau.

gewöhniglich
gewöhnlich.

Gichtlatte
dünne Person.

Gierschlund
bezeichnet eine Person, die gierig das Essen herunterschlingt.

giften, sich
sich ärgern.

Giftnudel
im 19. Jh. für Zigarre, bezeichnet heute jemanden, der über andere schlecht spricht.

Gips
»Jips jibt†™s inne Jipsfabrik.« Ø auch g.

Gipsflügel
gebrochener, eingegipster Arm.

Gipskopf
beschränkter Mensch.

Glatzenschneider
Friseur bzw. für neudeutsch Intercoiffeur.

glibberich
glatt und wackelig wie Ø Wackelpeter. Von nordd. glippen = gleiten, unfest sein.

Glipperpudding
Götterspeise. Ø glibberich

glitschen
gleiten. Als Adjektiv glatt, schlüpfrig, bei Eis und Schnee.

glotzen
große Augen machen. Aus dem Mhd. für schimmern, glänzen. Bereits bevor es die Glotze (= Fernseher) gab sind die Wörter Glotzpaule und Glotzooge belegt.

Glubsche
(nd.) Brille. Im 19. Jh. ist glubschen für mürrisch, von unten aufwärts blicken belegt. Wer immer »gleich so glubsch ist«, der ist beleidigt.

gnatschig
Ø gnietschig. Wahrscheinlich von umgs. gnatzen = mürrisch sein.

Gnatschke
Italienischer Salat. Ø auch gnietschig.

gnatzen
weinen, wimmern, verstimmt sein. Ein Gnatzkopp ist ein mürrischer Mensch.

gnauen
im 19. Jh. wie Ø gnatzen.

gnedderig
verdrießlich.