Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

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Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


erzählen
1. beauftragen. 2. einreden, weismachen: »Mir könn†™ Se nüscht erzähl†™n!«

Eskimoflip
Wasser. Fuß auf umgs. Eskimo = hochprozentiges alkoholisches Getränk.

Essig
»Damit is Essig!«, damit ist es vorbei, mit dieser Hoffnung ist es aus.

etepetete
pedantisch genau, zimperlich. Fußt wahrscheinlich nicht auf frz. etre peut-etre `im Zweifel sein`, wie oftmals angenommen, sondern auf nd. öt(e), entrundet ete, `geziert, zärtlich, überfein`, das ironisierend verdoppelt wurde.

Eternitplätzchen
für Ø Bulette.

Eule
1. häßliche Frau, 2. Bruder, 3. Kopf.

Eumel
Kopf, aber auch als Schimpfwort gebraucht im Sinne von Dummkopf: »Du alter Eumel, du!«

Extramuros
im 19. Jh. für Zigarre. Von lat. extra muros = außerhalb der Zimmerwände.

Extrawurst
etwas Besonderes. »Ick hab keene Lust, dir †™ne Extrawurscht zu braten.« Auch aus der `Reihe tanzen`.

fackeln
zögern. »Fackeln Se nich so lange«.

Fahrrad
Brille.

Fahrschein verlangen
die Rechnung verlangen. Aus dem Straßenbahnerjargon übernommen: »Noch jemand ohne Fahrschein?« im Sinne von »Noch einen Wunsch?«

Fall
»Dit is nich mein Fall.«, d. h., jemandem paßt etwas nicht, mißfällt ihm.

Falle
Bett. »Ab in die Falle!« Vermutlich verkürzt aus Wanzenfalle.

falsch
böse, wütend auf. »Uff den Kerl bin ick falsch!« Ein falscher Fuffziger bezeichnet eine hinterlistige Person.

Familienknicker
spöttisch für einen großen Regenschirm.

Fangeisen
Ehering.

Fantaska aus der Bodenluke
Bezeichnung für Frau.

Faßbrause
Apfelbrause von Faß. Nur in Berlin erhältlich und äußerst köstlich und erfrischend.

Fatzen
Stück Frühstücksbrot.

Fatzke
eitler, aufgeblasener Mensch. »Sie oller Fatzke!« Auch Appelfatzke und Hannefatzke. Wahrscheinlich nicht abgeleitet von frühnhd. fatzen = spotten und nd. Endung -ken, sondern auf den Vokativ des poln. Vornamens Wacek, was auf tschech. Václav zurückgeht. Man vgl. auch scharwenzeln = übereifrig den Hof machen.

faul
schlecht, unzuverlässig. »Mach bloß keene faulen Witze!«

Faulfieber
Trägheit. Ursprünglich umgs. geheuchelte Krankheit fauler Schüler und Arbeitsscheuer.

Faust
Wenn etwas überhaupt nicht zusammenpaßt, heißt es: »Dit paßt wie die Faust uff†™s Ooge.« Fußt auf einer Maßangabe.

faustdick
jemand, »der es faustdick hinter den Ohren hat«, ist mit allen Wassern gewaschen.

Faxen
Gesten, Gebärden, um bei anderen Lachen zu erregen. Im übertragenen Sinne auch »dumme Späße«. Hat man von etwas genug, sagt man: »Jetz hab ick aber die Faxen dicke!« Entweder entstanden aus mundartlich fickfacken = hin- und herlaufen oder fatzen = spotten.

Federball
»uff†™n Federball jeh†™n«, zu Bett gehen.

Feez
(frz. fête = Fest, Feier) Vergnügen, Spaß, Unsinn. »Mach doch nich so †™nen Feez.« (Ø Fete).

fegen
schnell laufen. »Da kommt er anjefecht.« Ein Feger ist nicht nur ein Handfeger, sondern bezeichnet eine Frau, die außerordentlich gut aussieht («ein irrer Fejer«).

Feierabend
»Nu is Feierabend!«, jetzt reicht es.

feierlich
»Mir is heut ja nich feierlich zumute.«, ich fühle mich in diser Situation nicht wohl.

feiger Hund
Schwächling, Ø Schlappschwanz.

feixen
dumm, verstohlen oder albern lachen. Nordd. Feix = Dümmling.

Fell
Haut. Drohend: »Dem zieh†™ ick dit Fell über die Ohren.« »Der hat†™n dicket Fell.«, er ist unempfindlich, daher belastbar. Aus dem Jargon der Abdecker des 17. Jhs.

Ferkeltaxe
(ostberl.) Schienenbus mit Gangschaltung.

fertig
1. imstande sein, etwas zu tun: »Dit kriegt der fertig!« 2. müde, erledigt sein: »Ick bin (fix und) fertig.«

feste
kräftig, ordentlich. »Immer feste druff!« Von Berliner Soldaten im Kampf gegen Napoleon (1813) stammt die Wendung: »Immer feste auf die Weste!«

Festessen
ironisch für Vergnügen: »Es war mir ein Festessen.«

Fete
(jgdsprl., von frz. fête = Fest, Feier) für Fest, Party. Von daher auch `feten` für `tanzen`.

Fett
im negativen Sinne für Lohn. »Der hat sein Fett weg bekommen.«

Fettlebe
»Heut machen wa eenen uff Fettlebe.«, heute lassen wir es uns gut ergehen.

Fettsack
Schimpfwort für extrem fette Menschen.

fetzen
(frz. fête, Ø Fete, Feez) »Dit fetzt!«, jgdsprl. `das haut rein`, `das ist stark`. Im 19. Jh. allerdings bereits als alltagssprachlich verzeichnet. Davon abgeleitet fetzig.

Fetzen
Stück. »Dir hau ick in Fetzen!« Von spätmhd. vetze = Lumpen, abgerissenes Kleidungsstück.

Feuermelder
rote Nase.

ff.
sehr gut, ausgezeichnet. »Berlinisch kann ick aus†™m ff.« Auch Abkürzung von »Feinstes vom Feinen«. Früher im Lebensmittelhandel üblich, z.B. »ff. Speiseöl« oder »ff. Leberwurst«.

fiepen
1. winseln, 2. leise pfeifen

fies
(mnd. vis) ekelhaft, widerlich, abstoßend. Ein Fiesling ist ein Mensch mit miesem Charakter.

Fiesbiedelhoppsack
Peitsche.

Fiesematenten
unnötige Umstände, Streiche, Schikanen. Drohend: »Mach bloß keene Fiesematenten.«

fiestlau
lauwarm, wie umgs. pupwarm. Basiert auf nordd. Fiest = leise entweichender Darmwind.

Figur
Person, Type. »Kiek da mal die Fijuren an, wie die ausseh†™n!«

Filzlatschenkino
Fernseher.

Fimmel
»Der hat doch †™n Fimmel!«, der leidet an Größenwahn, der spinnt. Wahrscheinlich abgeleitet von fummeln, fimmeln = suchend herumtasten, umhertappen.

fingern
erreichen. »Wir wer†™n dit Ding schon fingern.« = Wir werden die Sache schon schaukeln. »Finger da nich mit deine unejalen Hände rum.« = Laß die Finger weg!

Finkennapp
kleines Gefäß, insbesondere kleines Glas oder Tasse.

fipsig
(nordd.) klein und gleichzeitig niedlich.

Firlefanz
etwas Überflüssiges, Unfug, Blödsinn. »Wat is†™n dit für †™n Firlefanz?« Aus mhd. firlifanz = eine Art Tanz.

Fischköppe
(westberl.) spöttische Bezeichnung für die Bewohner der norddeutschen Küstengegenden, (ostberl.) für die Mecklenburger.

fistern
hinauswerfen. Bei Trachsel 1873: »Ick werd dir jleich rausfistern« (= mach, daß du wegkommst).

flach
»Mittachessen fällt heut flach.«, fällt heute aus.

Flachmann
kleine Taschenflasche mit Alkohol.

Flamme
1. Freundin und 2. Streichholz.

Flaps
Im 19. Jh. für Zylinderhut, heute für einen Menschen, `der den Ernst des Lebens noch nicht begriffen hat`. Gehört zu Ø Flappe. Einen »Flaps kriegen« = einen leichten Schlag erhalten.

Flattermann
Brathähnchen. Einen Flattermann kriejen meint »Angst bekommen«. Abwandlung von »einen Flattermann haben«, das heißt Händezittern, Liderzucken o.ä. haben.

Flax
Spaß, Unsinn. »Du bist wohl ooch her, wo der Flax blüht?« = Du bist wohl auch ein spaßiger Mensch?

Fleck
»Machen Se sich mal nich †™n Fleck uff†™t Hemde.«, haben/zieren Sie sich nicht so.

Fleckfieber
für Personen, die einem lästig werden, weil sie einen nicht in Ruhe lassen. Insbesondere für Kinder, die (immer wieder) einem die Ruhe stehlen.

Fleischbeschauung
FKK-Strand-Besucher »jeh†™n zur Fleischbeschauung.«

Flez
wie Ø Flegel, auch als Verb. Wer sich irgendwo hinfle(t)zt, der lümmelt sich hin, breitet sich aus.

Fliege
»†™ne Flieje machen«, flüchten.

fliegen
eilen. »Ick flieje ja schon!«

fliegende Untertasse
Nonne.

flippen
(jgdsprl., engl. to flip = schnipsen, schnellen) ausgelassen tanzen, ausgelassen sein. Ø auch rumflippen.

Flitz haben
verrückt sein. Von mnd. flitse = Pfeil.

Flitzpiepe
1. ein nicht ernstzunehmener Mensch, 2. Penis. Ø Pfeife.

Flocke
»†™ne Flocke machen«, verschwinden. Fußt auf dem Bild einer im Schnee verschwindenden Schneeflocke.

Flohkiste
Bett.

Flohleiter
Laufmasche.

Flosse
Hand. »Wenn man `juten Tach` sacht, denn jibt man die Flosse.« Übertragen von den Fischflossen.

Flunder
(mnd. vlunder) Eine Frau, die »platt wie †™ne Flunder is«, ist flachbrüstig. »Bei mir Flunder.« = Ich bin platt vor Staunen.

Flunken
Hände.

Flunsch
vorgeschobene Unterlippe als Zeichen von Unzufriedenheit. »Weeß ooch nich, warum die immer so†™n Flunsch zieht.«

flutschen
1. eine Arbeit, die rasch vorwärts, die rasch von der Hand geht. Bei Trachsel 1873 in diesem Sinne unter fluschen als Pommerscher Dialekt vermerkt. 2. entwischen. Von flutschen mnd. sich hastig bewegen und/oder omd. von der Hand gehen, vorankommen.

flüstern
sagen. Euphemistischer Gebrauch in der Drohung: »Dit eene kann ick dir flüstern...«

Flüstertüte
Megaphon.

flötengehen
verlorengehen. »Jestern war ick uff †™ner Fete, da is ma dit Portemonnaie flöten jejangen.« Wahrscheinlich von mnd. vlöten = fließen, schwimmen, treiben.

Flötentöne
Drohend: »Dir werd†™ ick die Flötentöne beibringen!«

for naß
umsonst. Bildung zu rotw. naß = ohne Geld und engl. for nothing. Ø auch Nassauer.

forsch
dynamisch, stark, draufgängerisch. Von mnd. forse = Kraft.

forschieren
im 19. Jh. für zwingen. Von Ø forsch.

fortkrepeln
Ø krepeln.

Forzmolle
Bett Ø auch Molle.

Fratze
Gesicht.

frech
»Frech wie Oskar.« Anstelle von »Ich bin so frei!« sagt der Berliner auch »Ick bin so frech!«

Freimaurerzigarre
im 19. Jh. für Zigarre.

Fress-Ex
(ostberl.) für die Exquisitläden, in denen ein reichhaltiges Warenangebot zur Verfügung stand, das allerdings nur gegen extrem hohe Preise vom DDR-Bürger genutzt werden konnte.

Fressalien
Essen.

Fresse
Mund. Insbesondere in Drohungen gebraucht: »Halt die Fresse!« »Dem könnt ick stundenlang inne Fresse hau†™n.« »†™ne Fresse ziehen« meint schmollen, der Ausruf »Meine Fresse!« drückt maßloses Erstaunen aus.

Fressen
»Dit is †™n jefundenet Fressen für mich.«, das kommt mir gerade recht/zupaß.