Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

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Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


Dividendenjauche
helles Bier. Um im Jahre 1870 an der Börse Gewinne zu machen, erhöhte man die Dividende, was zu einem sog. Aktienbier führte, einem Bier minderer Qualität.

Docht
»auf den Docht jeh†™n«, auf die Nerven gehen.

Dohle
früher Zylinderhut, heute allgemein für Hut.

doktern
sich mit etwas intensiv beschäftigen, aber mit leicht negativem Beigeschmack. »Der muß immer war herumdoktern.! = »Der hat immer etwas zu tun.«

Dollar
»einen harten Dollar schütten«, bezahlen.

Dollarbrägen
Draufgänger.

Donnerlittch, Donnerlitken
Ausruf des Erstaunens. Die Endung -littchen ist eine Variante zu Lüchtig = Blitz.

doof
(nd. taub) dumm. Seit Anfang des 20. Jhs. von Berlin aus im deutschen Sprachraum verbreitet. Es existieren zahlreiche Komposita, in der Regel Schimpfworte: Doofkopp, doowe Nuß, doowe Sau, Dowie, Doowietz, etc. Ø auch d.b.d.d.h.k.P.

Draht
»uff Draht sein«, tüchtig, clever sein.

Drahthexe
Beschimpfung einer Frau.

drall
derb, fest. Ablautend zu drillen = drehen. Bezug auf eine Frau: »Die hat†™n Drall!«, sie hat eine gute Figur oder sie ist sehr mollig.

Draufgeld
Bei Glaßbrenner als Unterpfand für einen abgeschlossenen Handel.

Dreck
starke Ablehnung für sehr wenig, gar nichts. Glaßbrenner: »Da hat mir der Staat en Dreck zu sagen.« Oder: »Da kümmer ick ma †™n Dreck drum.«

Dreckbuddel
1. Person, die im Dreck buddelt, im Schmutz wühlt; von daher auch für Putzfrau. 2. allgemein für jemanden, der schmutzig ist.

Dreckliese
schmutziges Kind oder erwachsene Person.

Dreckpatsche
im 19. Jh. für Infanterieoffizier.

Dreckschleuder
Bezeichnung für jemanden, der sich gern übler Nachrede ergibt. Früher auch für Baggermaschine.

Dreckschwalbe
früher umgs. für Maurer, heute als Schimpfwort für Frau.

Drehbücher
Toilettenpapier-Rollen.

drehen
»Dit wer†™n wa schon drehen.«, hinkriegen, eine Sache schon machen.

Drehhahnbräu
für ein Glas Leitungswasser bei Tisch.

dreidoppelt
dreifach.

Dreikäsehoch
kleiner Junge.

dreist
1. wirklich, 2. frech, 3. zuversichtlich und 4. unverschämt. »Laß den man dreist kommen.«, laß ihn mal ruhig kommen. »Dit is ja wirklich dreist von dem.«, unverschämt.

Dremmel
1. Furcht. 2. Drang. Jemand, »der †™n Dremmel hat«, muß dringend auf†™s Klo. Abgeleitet von dremmeln = drängen.

Dresche
Prügel, Schläge. Substantivierung von Getreide dreschen.

drippeln
tröpfeln, leicht regnen. Wenn es aus dem Wasserhahn tropft, heißt es drippen.

drucksen
mühsam herausbringen. Intensivbildung zu drucken = drücken. Auch herumdrucksen = nicht die Wahrheit sagen wollen.

drum rumkommen
davonkommen. »Da sind wa ja nochmal drum rumjekomm†™.«

druselig
(nordd.) schläfrig, müde. Als Verb drusseln oder auch eindrusseln, gesprochen mit stimmhaftem s.

Drückeberger
jemand, der die Arbeit scheut, im 19. Jh. für jemand, der sich verkriecht.

dröhnen
jemanden ein paar knallen.

Dröhnung haben
betrunken sein. Von umgs. dröhnen = sich betrinken, im Rausch sein.

drömmeln gehen
zur Toilette gehen. Ø Dremmel.

dufte
(jidd. toffte) großartig, prima. Wird heute gebraucht für die früheren Bezeichnungen Ø knorke und Ø schnafte.

duhn
1. betrunken. 2. völlig geschafft. Nd. Ursprungs, eigentlich »aufgeschwollen« zu dehnen und dunsen.

dulli dulli
besonders gut.

dumm
(mnd. dum = unerfahren, einfältig) Wird in zahlreichen Wendungen gebraucht. Weniger böse gemeint als es scheint: »Sie sind ja nich so dumm wie Se ausseh†™n.« »Dumm jebor†™n und nüscht dazujelernt.« Die Äußerung »Dit is dumm«, meint, daß eine Sache unangenehm ist.

Dummerjahn
Dummkopf.

Dummsdorf
Bereits bei Glaßbrenner die bekannte Sentenz: »«Wir sind hier ooch nich aus Dummsdorf.«, wir sind nicht dumm.

dunnemals
damals. »Von anno dunnemals.« Von nd. dunn = damals.

Dunnerwettsteen
Bei Glaßbrenner als Ausruf des Erstaunens. Wie Ø Donnerlittchen.

Dunst
»Du hast ja keenen Dunst!«, du hast ja davon keine Ahnung.

Dunstkiepe
im 19. Jh. für einen Herrenhut mit hohem Boden.

durchplumpsen
durchfallen.

durchwachsen
mittelmäßig. Krankenschwester: »Na, wie jeht†™s denn heut?« - Patient: »Na, so durchwachsen.«

durchwutschen
entwischen. Von umgs. durchwitchen.

durschten
»Mir durschtet.« = Ich bin durstig.

Dusel
Glück. »Mensch, da haste aber †™n Dusel jehabt.« Weiterentwicklung von nd. Dusel = Schlaf, Halbschlaf.

dusemang
(frz. doucement) sacht, behutsam, leise, gesprochen mit stimmhaftem `s` und natürlich dem typisch berlinischen Nasal, der jedem Südfranzosen das Herz höher schlagen läßt.

Dussel
(nordd.) dummer Mensch, Dummkopf. Ø Dusel. Adj. dusselig.

duster
dunkel, finster. Trachsel schreibt 1873: »`der dustere Keller`, eine bekannte Kneipe am Fuße des Kreuzberges. In den Kunsthandlungen sah man vor einigen Jahren ein ganz schwarzes längliches Viereck, gedruckt auf weißem Papier mit der Inschrift: `Berlin bei Nacht, vom dusteren Keller aus gesehen`.«

Dutt
(nd.) Haarknoten der Frauen, wird allgemein auch für Kopf gebraucht: »Der Ollen hätt ick am liebsten eens uff†™n Dutt jeknallt.« »Haut ihm eens uff†™n Dutt!«

Eau de Mief
Parfum.

Ecke
nicht weiter definierte Entfernungsangabe: »Von hier bis zum Koofmann is †™ne janz schöne Ecke.«

Eckensteher
(Nante) früher für Dienstmann. Nach der Titelfigur einer 1832 uraufgeführten Posse.

Ede
Abkürzung von Eduard. Bezeichnung für Kumpel, Bruder, aber auch für leicht kriminelle Typen.

Eecks
Ausruf des Abscheus.

Ehestandslokomotive
Kinderwagen.

Ehrensäbel
Ehrensache.

ehrlich
wirklich, ungelogen. »Ick hab ehrlich wat zu tun.«

ehrpusselig
(nordd.) spöttische Bezeichnung für ehrbares, sittsames, lobenswertes Verhalten. Ironisierung von ehrpusslig = sittsam, prüde, abgeleitet von pusseln = eine Arbeit geduldig verrichten.

Ei
»Der sieht aus wie aus†™m Ei jepellt.«, besonders schick, elegant. Jemanden »wie†™n rohet Ei behandeln«, meint, ihn vorsichtig behandeln. Im Plural für Hoden: »Dir polier ick gleich de Eier!«, eine ernstzunehmende Androhung von Gewalt. Aber auch in der Bedeutung von Geld: »Ick hab nur noch zwanzich Eier.« Eine Eierkiste ist ein Auto, ein Eierkopp entweder ein nicht gerade rund geformter Kopf oder jemand, der schwer von Begriff ist. Eierpampe ist die Bezeichnung für mit Wasser vermischten Sand, wie ihn Kinder oftmals zum Schrecken ihrer Eltern in allerlei Hinsicht gebrauchen.

eildieweil
für hd. weil (oft mit Hauptsatzstellung im Nebensatz). Wahrscheinlich entstanden aus »alldieweil« und »Eile mit Weile«.

Einbildung
»Einbildung is ooch †™ne Bildung.«

eine drauf machen
tanzen, feiern.

einfuchsen
jemand, der eine Sache besonders gut kann, »is daruff besonders jut einjefuchst.« Aus der Studentensprache des 19. Jhs.

Eingemachtes
»an†™s Einjemachte jehen«, an die Reserven gehen.

eingespundert
eingesperrt. Fußt wahrscheinlich auf mnd. Spinde = Schrank, Vorratsbehälter.

einhandeln
etwas Unangenehmes bekommen. »Du handelst dir gleich †™ne Ohrfeige ein!«

einkacheln
viel oder hastig essen.

Einkriegezeck
Fangspiel.

einleiern
etwas vorbereiten. »Dit hat der mir einjeleiert.«

Einnehme
Kellnerin, Kassiererin.

einnehmen
»Er hat †™n einnehmendet Wesen.«, d.h., er nimmt gern viel Geld ein, jemand »vom Stabe Nimm«.

einpfeifen
essen oder auch trinken.

einpummeln, sich
sich stark einhüllen, sich einwickeln, sich warm anziehen. Ø auch anpummeln.

einrühren
etwas anrichten, einbrocken. »Da haste mir war einjerührt!«

einstippen
(mnd. stippen = eintauchen) Brot in Milch eintauchen bzw. Ø Schrippe oder Kekse in Kaffee.

einstuken
Ø stuken

Eisbein
mit Erbspüree, Berliner Nationalgericht, in Bayern »Haxen« genannt. Aber natürlich auch die Bezeichnung für kalte Füße. In letzterer Bedeutung auch in der Drohung »Dem knick ick die Eisbeene!« Eisbein mit Lenkstange = Rollmops. Eisenbahn

Eisente
prüde Frau.

Ekel
(ostf. ekelen = verdrießen) widerwärtiger Mensch. Noch verstärkend: Ekelpaket. Man denke an den leicht berlinernden Alfred Tetzlaff aus der Fernsehserie »Ein Herz und eine Seele«.

Elbkähne
große Schuhe.

Ella oder Elle
Braut, Freundin, Schwester.

Elsterauge
Hühnerauge.

Eltern
»Dit is nich von schlechten Eltern.«, es ist hervorragend, besonders gut. »Eltern mit Pillenknick« sind kinderlos.

Em
Mark, im Plural auch Emmchen.

Embüdel auch Embiedel
Freund.

Emmer
bei Glaßbrenner für Eimer.

Emton
in der Regel mit dem Possessivpronomen »mein« verbunden. Wird für Personen gebraucht, die man kritisieren will, denen man etwas androht, die man aber gern hat und nicht weiter verletzen will. »Paß mal uff, mein Emton!«

Ende
»Da is ja dit Ende von weg!«, Redensart, die als Ausdruck des Erstaunens gebraucht wird.

ent oder weder
entweder - oder.

Ente oder Trente
wie Ø ent oder weder.

entfernt
»Dit macht sich von weiten sehr entfernt.« Von weitem betrachtet sieht das sehr gut aus (,aber eben nicht von nah).

entrenanu
(frz. entre nous) unter uns.entschuldigen

Erbbegräbnis
Geschäft, Restaurant, das schon mehrfach bankrott gegangen ist oder seit langem nicht mehr blüht.

Erholungsheim
Gefängnis. Früher Ausruf der Schaffner am Gefängnis Tegel: »Erholungsheim - will jemand aussteigen?«

Ersatzspiel
Hasardspiel.

erschossesein
erschöpft sein. »Ick fühl ma heute wie erschossen.«