Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

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Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


anpummeln, sich
sich warm anziehen. Ø einpummeln.

anpusten
(mhd. anbusten = blasend anfachen) grob anreden.

anquatschen
anreden, Ø anmachen.

Anreißer
früher Ausrufer vor Verkaufsbuden, auch Portier von Vergnügungslokalen, heute umgs. für die Berufsbezeichnung `Propagandist(in)`.

anschmieren
1. jemanden reinlegen und 2. sich aufdrängen.

anstehen
zusagen, gefallen. Bei Glaßbrenner: »Kann ick Ihnen anstehen, oder haben Sie sonst ein Verhältnis.«

anstreichen
vergelten. »Dit verge߆™ ick nich, dit werd†™ ick dir anstreich†™n.«

anständig
Mittel zur Graduierung: »Ick war janz anständig besoff†™n.« »Ick hab †™n anständ†™jen Hunger.«

antalpschen
Ø talpschen

antanzen
ankommen. »Jetz kommt der schon wieder anjetanzt.«

Antigrippin
Schnaps.

antrudeln
(md., nd. trudeln = rollen, sich wälzen) gemächlich daherkommen oder auch ankommen, sein Ziel erreichen.

anwackeln
wie Ø antrudeln.

anwichsen
1. jemanden Ø anmachen. 2. jemanden bedrohen.

Anzug
»Dir stoß ick aus†™n Anzug!«, Androhung von Gewalt.

AOK-Chopper
Rollstuhl (AOK = Allgemeine Ortskrankenkasse).

Appelfatzke
Steigerung von Ø Fatzke.

Arbeiterbrause
Sekt.

Arbeiterdenkmal
Arbeiter, der sich auf seinem Werkzeug, z. B. einer Schaufel, ausruht. Jemand, der nach dem Motto handelt: »Die Arbeet jacht ma, aber ick bin schneller.« Entstanden mit Bezug auf das 1900 auf dem Andreasplatz zu Berlin errichtete Arbeiterdenkmal.

Arbeitereisbein
Rollmops. Ø auch Eisbein.

Armkasse
Armenkasse. »Es jibt gleich wat aus de Armkasse.«, Androhung von Prügel.

Armleuchter
dummer Mensch.

Arsch
(ahd. Hintern, Gesäß) wie in anderen Dialekten auch fehlt dieses Wort nicht im Berliner Schimpfwortschatz. Es ist äußerst produktiv und in zahlreichen Komposita zu finden. Arschgeige bezeichnet eine persona non grata, Arschficker ist aggressiv für Homosexuelle, ein Arsch mit Ohren spricht bildlich für sich. Arschkriecher leben nach dem Radfahrerprinzip `nach oben buckeln, nach unten treten`. Als Drohung: »Dir tret†™ ick †™n Arsch platt.«

Asche
1. Geld (frz. acheter). 2. Unsinn. Um 1800 stand in einem Lokal in der Elsässer Straße:

aschingern
zu Aschinger (früher stadtbekannte Volksgaststätten, zuletzt noch nahe Bahnhof Zoo) gehen. Nach den Brüdern Aschinger, die, aus Bayern kommend, das Restaurant gründeten.

Asphaltblase
(ostberl.) Trabant. Ø Plastikschüssel, Plastepanzer. Vgl. auch amerikanisch `bubble car`.

Ast
sich einen Ast lachen, sich kaputt lachen. »Mir feift der Ast«, ich brauch eine Zigarette; in Analogie zu »mir piept die Lunge«.

asten
unter schwerer Last gehen.

astrein
einwandfrei, hervorragend. »Der Film is astrein.« Entstanden durch Bezug auf astlochfreies Holz, das wertvoller als Holz mit Astlöchern ist.

Atschö
Adieu, Tschüß.

Atta
Glatze, aber auch Kopf.

Atze
1. Schwester oder Bruder. »Wo ist denn dein Bruder?« - »Meene Atze is draußen.«, 2. Kosename für Arthur.

Au Backe
Ausruf der Bewunderung oder der Betroffenheit.

au wacker
au weia. Sicherlich mit Anspielung auf den Berliner Fußballklub Wacker 04.

auf
wird in der Regel uff gesprochen.

auffallend
»Stimmt uffallend.«, stimmt genau.

aufgabeln
jemanden treffen, eine Frau Ø aufreißen. »Wo hast †™n die uffjejabelt.« Im 17. Jh. belegt im Sinne von »auf eine Gabel spießen« und wohl von daher abgeleitet.

aufgehen
dick werden. »Meine Olle jeht uff wie†™n Fannkuchen.«

aufmotzen
sich, (mhd. aufmutzen) jemanden, etwas auffällig kleiden, herrichten. »Den Laden ham se janz schön aufjemotzt.«, schick gemacht.

aufmucken
sich widersetzen. Von mnd. mucken = halblaut murmeln.

aufplustern, sich
sich aufblasen, sich empören. »Bloß wejen die paar Mark hat der sich uffjeplustert!« Von mnd. plustern = zersausen, wie es das Federvieh tut, wenn es mit dem Schnabel im Gefieder herumwühlt.

aufpuckeln
jemandem Arbeit aufladen. »Die Scheißarbeit krieg†™ immer ick uffjepuckelt!« Abgeleitet von `buckeln, einen Buckel machen`.

aufrappeln, sich
(nd. rappeln = sich aufraffen, bewegen) gesund werden. »Der stand schon mit een Been inna Kiste, denn hat er sich aber wieder uffjerappelt.« Wer sich in der Schule aufrappelt, erbringt bessere Leistungen.

aufreißen
jemanden erfolgreich Ø anmachen, »†™ne kesse Biene uffreißen.«

aufsteckern
aufstören. Wahrscheinlich abgeleitet von ahd. stecken »anheften, annageln«.

Auftritt
1. Fußtritt, 2. eine interessante Angelegenheit.

ausbaldowern
auskundschaften. Über die Gaunersprache aus dem Jiddischen baal = Mann und dowor = Sache, Wert.

auseinanderpolken
entwirren, Verwickeltes auseinandersetzen. Ø polken.

auseinanderposamentieren
wie Ø auseinanderpolken.

ausfressen
eine strafbare Handlung begehen. »Junge, wat haste wieder ausjefressen?«

ausgekocht
(jidd. kochem = weise) raffiniert, pfiffig, verschlagen, durchtrieben sein.

ausglitschen
ausrutschen. Intensivbildung zu (aus)gleiten.

ausklamüsern
(nd. Klamüser = Grübler, spitzfindiger Geselle) herausfinden, herausbekommen.

ausklinken
(mnl. clinken = erschallen, hell tönen) 1. aufregen und 2. gebären.

auskneifen
(nd. knipen = davonlaufen) fliehen, ausrücken.

ausknobeln
wie Ø ausbaldowern. Abgeleitet von knobeln, erstmalig 1813 in der Studentensprache belegt.

auskratzen
weglaufen, fliehen.

ausmähren
eine Tätigkeit langsam, `im Zeitlupentempo` ausführen, was oftmals Anlaß zu der Äußerung gibt: »Mensch, hat der sich wieder ausjemährt!« Vielleicht zurückzuführen auf Mähre = klappriges Pferd.

auspellen
entkleiden. Abgeleitet von pellen = schälen. Ø Pelle.

Auspuffmieze
Beifahrerin auf dem Motorrad. Mieze = Kosebezeichnung für Katze.

ausquatschen, sich
sich aussprechen.

ausreißen
verschwinden, sich aus dem Staub machen. Negierend: sich nicht so viele Umstände machen. »Nu reißen sich ma†™ keen Been aus.«

aussehen
bezweifeln, in der Wendung »So siehste aus!«.

Außerhalbscher
Nichtberliner.

Auster
Qualster, ausgespieener Schleim.

austutschen
austrinken.

ausverschämt
unverschämt.

auswachsen
»Dit is zum Auswachsen!«, Ausruf der Ungeduld.

Aweck
(von frz. avec = mit) mit Leichtigkeit, mit Esprit, mit Eleganz. »Der macht seine Arbeit mit†™n jewissen

Baa-Affe
im 19. Jh. für ein neugierig zuschauendes Kind.

Backbeere
Backbirne.

Backe
Drohung: »Dir hau ick den Putz vonna Backe!«

Backobst
»Danke für†™t Backobst.«, ironische Ablehnung. Wahrscheinlich abgeleitet von der soldatischen Bezeichnung Lazarettpflaume, die in der preußischen Armee gebraucht wurde.

Backpfeifengesicht
»Der hat†™n richt†™jet Backfeifenjesicht.«, im erweiterten Sinne ein dümmlicher Gesichtsausdruck.

Backzahn
Im 19. Jh. ironisch für Infanterie-Offizier. Soll auf den Spruch Friedrich des Großen zurückgehen: »Die Infanterie ist dazu berufen, den Feind zu zermalmen«.

baden
»Dir ham se wohl als Kind zu heiß jebadet?«, du bist wohl verrückt?

baden gehen
scheitern, untergehen.

baff
verblüfft. »Ick war janz baff.« »Da biste baff, wa?«

Bahnhof
1. »Ick versteh immer nur Bahnhof.«, ich versteh gar nichts. 2. Gesicht: »Krist eene uff†™n Bahnhof, daß de Kopp stehst.«

Balbier
Barbier. Als Verb `rasieren`. »Jemand über†™n Löffel balbieren.«, d. h. jemanden betrügen.

baletti machen
etwas ordentlich machen. Von umgs. `paletti`.

Balg
Kind, gelegentlich mit leicht negativer Konnotation. Seit dem 18. Jh. besonders im nordd. Raum.

Balkon
»Hat die †™n Balkon!« Ausruf des Erstaunens über eine vollbusige Frau.

Ballast der Republik
(ostberl.) ironisch für den Palast der Republik. ?? auch Pallazo Prozzo.

ballern
schießen.

Ballon
(ital. pallone = großer Ball) Kopf. Drohend: »Ick jeb†™ da gleich wat uff†™n Ballon.«

Bammel
Furcht. Rückbildung und Übertragung von bammeln = sich schaukeln, hin und her bewegen. An der Dahme, einem Nebenfluß der Spree, gibt es bei Grünau eine Stelle, vor der Segler aufgrund der Strömungen »Bammel haben«, weswegen diese Stelle Bammelecke genannt wird.

Bammelage
(frz. ausgesprochen) Alles, was runterhängt oder runterbaumelt, z. B. Ohrringe. Adjektivisch bammelig für schlecht sitzende Kleider.

Banane
»Die Banane ist geschält.«, der Fall ist abgeschlossen, die Sache ist gelaufen.

Bange
Furcht, Angst. »Bange machen jilt nich.« »Hab mal keene Bange.«

Bank
»durch de Bank reden«, durcheinander oder auch miteinander reden. »durch de Bank durch reden«, d.h., ein jeder redet.

barft
barfüßig, mit bloßen Füßen.

barfuß
nackt, in der Wendung »Ick war barfuß bis zum Halskragen.« Abgeleitet von im 19. Jh. »barfuß bis an die Schultern«.

barmen
(nordd. und omd.) jammern, bitten.

Bart
»Nu is der Bart ab!«, jetzt ist es vorbei.

Batz
Kopf. »Krist gleich war vor†™n Batz!«

Bauklötze staunen
äußerst verwundert sein. Klötzer vielleicht in Analogie zu Glotzen = Augen. Um 1900 in Berlin aufgekommen.

Beamtenbutter
Senf.

beaten
(jgdsprl.; engl. to beat = den Takt, die Trommel schlagen) tanzen.

beboomölen
»Dit is zum Beboomölen!«, das ist zum Verrücktwerden.