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Wiener Kongress, Vormaerz und Revolution von 1848/49
Kategorie: Geschichte und Ethnologie > Revolution von 1848/49
Datum & Land: 18/06/2010, DE
Wörter: 45


Absolute Monarchie
Ein Alleinherrscher (Mono = gr. ein) regiert losgeloest (absolutus = lat. losgeloest) von der Kontrolle bzw. Mitsprache einer Staendeversammlung (z.B. der Generalstaende in Frankreich); Der Herrscher regiert von Gottes Gnaden. Motto: "L`Etat, c`est moi." (Ludwig XIV.)

Absolutismus
Kombination aus absoluter Monarchie und Staendeordnung. Bsp.: Frankreich unter Ludwig XIV.

Allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht
Wahlrecht unabhaengig von Stand und Besitz; jeder Waehler besitzt gleich viele Stimmen. Der Wahlzettel wird in der Wahlkabine ausgefuellt, ohne dass jemand zusehen kann.

Allianz, Heilige
Buendnis zwischen Russland, Preussen und Oesterreich von 1815, dem sich spaeter weitere Staaten anschlossen. Zweck war die Verhinderung revolutionaerer Bestrebungen durch einen "Bund von Thron (Monarchie) und Altar (Polizei)".

Aufgeklaerter Absolutismus
Spielart des Absolutismus, die die Herrschaft des Monarchen nichtreligioes begruendet, das Wohlergehen des Staates statt die Person des Herrschers in den Mittelpunkt rueckt und religioese Toleranz praktiziert. "Jeder soll nach seiner Facon selig werden." (Friedrich der Grosse)

Aufklaerung
Geistige Bewegung des 18.Jhs, die alle Dinge dieser Welt unter dem Gesichtspunkt der Vernunft betrachtet. Folgen sind z.B. neue Staatstheorien (John Locke; Montesquie; Rousseau); Religionskritik (Lessing, Voltaire, Diderot, usw.); maechtiger Aufschwung der Naturwissenschaft; Aufkommen von Paedagogik und fruehe Frauenemanzipation. Die Aufklaerung schafft die geistigen Voraussetzungen fuer die Ueberwindung des Absolutismus und fuer die moderne Demokratie.

Befreiungskriege
Nach der Niederlage der Grande Armee Napoleons im Russlandfeldzug 1812 erheben sich die europaeischen Voelker und Staaten gegen Napoleon, der 1813 (Voelkerschlacht bei Leipzig) und 1814 besiegt wird.

Buergerwehr
Buergerwehren sind bewaffnete Verbaende von Buergern, die meist in Revolutionszeiten geschaffen werden, um die Revolution gegen Angriffe der Gegner der Revolution, z.B. der Fuersten, zu verteidigen und die oeffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Bundesstaat
Eine Reihe von Staaten schliesst sich unter gemeinsamer Zentrale zusammen. Sie geben Souveraenitaetsrechte an die Zentrale ab (z.B. Aussenpolitik, Recht auf Steuererhebung, Militaerwesen). Bsp.: Bundesrepublik Deutschland; USA

Demokraten von 1848
Politische Stroemung in der Tradition der radikaleren bzw. radikalen Phase der Frz. Revolution. Ruf nach Verfassung, aber im Unterschied zu Liberalen Forderung nach Republik, allgemeinem Wahlrecht, sozialen Massnahmen des Staates, Volksbewaffnung.

Demokratie
Volksherrschaft (Demos = griech. Volk; kratein = griech. herrschen); Staat mit Verfassung

Deutscher Bund
Lockerer Zusammenschluss von 34 deutschen Einzelstaaten, gegruendet 1815 auf dem Wiener Kongress. Gesandte (Botschafter) der Staaten trafen sich auf einem staendigen Gesandtenkongress in Frankfurt am Main, dem "Bundestag". Auch auslaendische Maechte waren vertreten: Daenemark fuer Holstein und Lauenburg, Grossbritannien fuer Hannover, die Niederlande fuer Luxemburg und Limburg. Das Staatsgebiet Preussens und Oesterreichs wurde durch die Bundesgrenze zerteilt.

Diktatur
Gegenteil von Demokratie

Europaeisches Gleichgewicht
Wenn die Machtverhaeltnisse zwischen den (europaeischen) Staaten ausgeglichen sind, spricht man von Gleichgewicht. Die Hegemonie eines Staates soll vermieden werden.

Foederalismus
Wenn Staaten einen Bundesstaat oder einen Staatenbund bilden, spricht man von Foederalismus.

Gewaltfreiheit
Verzicht auf Anwendung von Gewalt in der Politik.

Gottesgnadentum
Ein Herrscher regiert durch die Gnade Gottes.

Hegemonie
Vorherrschaft eines Staates ueber andere, z.B. Napoleons ueber das restliche Europa

Imperialismus
Imperium = lat. Reich. Politik, die auf die Bildung grosser Reiche zielt. Fremde Gesellschaften sollen abhaengig gemacht werden, entweder indirekt mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln oder direkt als Kolonie. Aggressive Aussenpolitik, verknuepft mit uebersteigertem Nationalismus. Kampf um Rohstoffe, Absatzmaerkte (wirtschaftliche Krisen!) und militaerstrategischen Einfluss.

Industrialisierung
Uebergang von der vorwiegend landwirtschaftlichen (=agrarischen) Produktion zur vorwiegend industriellen Produktion mit Fabriken und Antriebsmaschinen, z.B. der Dampfmaschine. Damit verbunden sind schnelle Fortschritte in Wissenschaft und Technik. Erfindungen revolutionieren die Produktion.

Klasse
Gesellschaftliche Klassen unterscheiden sich nach Vermoegen (Besitz) und Bildung

Kolonialismus
Politik, die auf die Bildung von Kolonien zielt. Kolonien werden von einem sogenannten Mutterland militaerisch besetzt und verwaltet. Der Kultureinfluss des Mutterlandes veraendert die Kultur in den Kolonien. Wirtschaftliche Ausbeutung. Ansiedlung von Kolonisten (Beseitigung von Arbeitslosigkeit!).

Konservatismus
Conservare = lat. bewahren. Der Konservatismus betrachtet den Staat als etwas Individuelles, organisch Gewachsenes, das nicht nach einem (z.B. liberalen) Schema veraendert werden darf. Reformen ja, aber langsam und ohne Bruch mit dem Gewordenen. Familie, Religion, Tradition, Herkommen, Brauch als wichtige Begriffe. Im 19.Jh. gegen Aufklaerung, Rationalismus, Liberalismus. Orientierung am Absolutismus, aber mit Zugestaendnissen an modernere Zeiten.

Konstitutionelle Monarchie
Es herrscht Gewaltenteilung. Der Herrscher ist als Haupt der Exekutive Regierungschef. Die Legislative wird durch ein Parlament gebildet. Zensuswahlrecht. Volkssouveraenitaet statt Gottesgnadentum.

Liberalismus
Politische Stroemung in der Tradition der gemaessigten Phase der Frz. Revolution. Der Liberalismus ruft nach einer Verfassung. "Freiheit". Im 19.Jh. Ruf nach der Konstitutionellen Monarchie.

Merkantilismus
Wirtschaftssystem aus der Zeit des Absolutismus mit dem Ziel erhoehter Staatseinnahmen fuer Hof und Armee. Merkmale und Grundsaetze: Einfuhr billiger Rohstoffe aus Kolonien mit eigenen Schiffen; Export von Fertigwaren; Herstellung von Fertigwaren in Manufakturen; Zollmauer gegen Einfuhr von Fertigwaren; aktive Handelsbilanz; einheitlicher Binnenmarkt; Eingreifen des Staates in die Wirtschaft. Staat tritt auch als Unternehmer auf.

Militarismus
Wenn das Militaer bzw. militaerische Formen Denken und Alltag bestimmen, spricht man von Militarismus. Der Militarismus neigt zu aggressiver Aussenpolitik.

Monarchie
Staat mit einem Herrscher (Fuerst, Koenig, Kaiser, usw.) an der Spitze

Nationalismus
Nation als Gruppe mit gemeinsamer Sprache, Geschichte und Kultur. Ruf nach dem Nationalstaat. Nationalismus ruft nach staatlicher Einheit einer Nation im Nationalstaat.

Nationalstaat
Staat auf der Grundlage der Nation. Er umfasst im Idealfall alle Mitglieder einer Nation. Folge im 19.Jh.: Umwaelzung der Landkarte. Gegen Vielzahl kleiner Staaten z.B. in Deutschland und Italien; gegen Vielvoelkerstaaten.

Parlamentarische Monarchie
Der Herrscher uebernimmt nur noch Repraesentationsaufgaben. Chef der Regierung ist z.B. ein Kanzler oder Premierminister. Allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht.

Protektionismus
Staat schuetzt die einheimische Wirtschaft durch Zollmauern wie im Merkantilismus oder durch Waehrungsmassnahmen.

Republik
Staat ohne Herrscher an der Spitze. Staatsoberhaupt ist normalerweise ein Praesident; Gegenbegriff zu Monarchie

Sozialismus
Der Sozialismus gliedert sich in eine reformerische Richtung im Anschluss an Ferdinand Lassalle und in eine revolutionaere Richtung im Anschluss an Karl Marx und Friedrich Engels. Diese wiederum haben englische und franzoesische Vorlaeufer.

Sozialstaat
Ein Staat, in dem es ausgedehnte soziale Sicherungssysteme wie Unfallschutzgesetze, Unfallversicherung, gesetzliche Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, usw. gibt. In der Bundesrepuiblik Deutschland existiert z.B. ein ganzes "Soziales Netz" von Versicherungen und Schutzbestimmungen.

Staatenbund
Mehr oder weniger lockerer Zusammenschluss relativ selbstaendiger Staaten; Bsp.: Kaiserreich 1871 - 1918

Staendeordnung
Die Gesellschaft ist in Staende eingeteilt. Der erste Stand ist der Klerus, der zweite der Adel, der Rest der Dritte Stand (in Frankreich). Jeder Stand hat unterschiedliche Rechte und Pflichten und ist z.T. sogar an der Kleidung oder sonstigen Merkmalen kenntlich. Jeder Stand hat v.a. unterschiedliche Rechte in Politik und vor der Justiz.

Stand
In einen Stand wird man hineingeboren, z.B. wird man als Adliger oder als Angehoeriger des Dritten Standes geboren.

System Metternich
Das System Metternich wird auf dem Wiener Kongress errichtet und nach dem damaligen oesterreichischen Aussenminister Metternich, der dem Kongress praesidierte, benannt. Man versteht darunter die Prinzipien der Legitimitaet, monarchischen Autoritaet und Stabilitaet, die sich gegen die Franzoesische Revolution und Napoleon richteten.

Verfassung
Grundgesetz eines Staates mit folgenden Grundsaetzen: Grund- bzw. Menschenrechte; Gewaltenteilung; (allgemeines) Wahlrecht. Zweck: Schutz des Buergers vor Uebergriffen des Staates

Veto(recht)
Recht des Oberhauptes der Exekutive, also z.B. eines Koenigs oder Praesidenten, gegen Beschluesse des Parlaments Einspruch zu erheben. "Veto" heisst lateinisch "ich verbiete". Mit einem aufschiebenden (sogenannten "suspensiven") Veto wird ein Gesetz des Pasrlaments auf befristete Zeit am Inkrafttreten gehindert, mit einem "absoluten Veto" kann das Inkrafttreten eines Gesetzes auf Dauer verhindert werden.

Vielvoelkerstaat
Staat, der viele verschiedene Voelker umfasst. Bsp.: Oesterreich bis 1918; Osmanisches Reich; Zarenreich.

Wirtschaftsliberalismus
Die Theorie des Wirtschaftsliberalismus tritt fuer Konkurrenz, freies Unternehmertum, Freihandel und internationale Arbeitsteilung ein und vertraut auf die Selbstregulierung des Marktes.

Zensuswahlrecht
Wahlrecht nach Vermoegen

Zentralstaat
Einheitlicher, von einer Zentrale aus regierter Staat; die Ebene der Bundesstaaten faellt weg. Bsp.: Frankreich mit der Zentrale Paris.