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Alef-Bet Judentum Glossar
Kategorie: Religion und Philosophie
Datum & Land: 15/01/2009, IL
Wörter: 150


Adon Olam
'Herr der Welt'- Hymne. Teil des täglichen Morgengebetes. Wird besonders an Schabbat und Feiertagen hervorgehoben.

Agada
(Wörtl. etwa 'Erzählung'; Pl. Agadot) Erzählungen, die zum großen Teil die biblischen Berichte um in der Bibel selbst nicht enthaltene Ereignisse und Begebenheiten erweitern. So gibt es beispielsweise zahlreiche Agadot um die Erzväter und Erzmütter, durch die deren Persönlichkeiten schärfere Konturen gewinnen. Es gibt besondere Sammlungen von Agadot, den sog. agadischen Midrasch, deren Redaktion verschiedenen jüdischen Weisen des Altertums zugeschrieben wird. Daneben befinden sich zahlreiche Agadot auch im Talmud. Der Begriff A. ist sehr weit, und er bezieht im Grunde sämtliches erzählerisches (nichtgesetzliches) Material der jüdischen mündlichen Lehre ein.

Agudat Jisrael(Agudas Jisroel)
(Wörtl. 'Vereinigung Israels') Im Jahre 1912 auf einem Gründungskongress in Kattowitz ins Leben gerufene Weltorganisation der gesetzestreuen Judenheit. Die AJ verstand sich als organisatorische Antwort auf den sekulären Zionismus, dessen Anspruch, das jüdische Volk zu vertreten, sie entgegentrat, sowie zunehmend auch als Alternative zur zehn Jahre zuvor gegründeten Misrachi-Bewegung, die sich als religiöse Fraktion am zionistischen Aufbauwerk beteiligte. Die AJ strebte und strebt 'die organisatorische Zusammenfassung der gesetzestreuen Judenheit' der ganzen Welt an sowie die 'Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsaufgaben des durch die Tora konstituierten jüdischen Volkes im Geiste der Tora' (Satzung). Nach der Gründung des Staates Israel, formierte sich die AJ dort auch als religiöse Partei mit Sitzen in der Knesset (Israelisches Parlament) und zeitweiliger Regierungsbeteiligung.

Aharon
(auch Aaron) Bruder Moses†™ und erster jüdischer Hohepriester. Volksführer.

Alef-Bet
Alef-Bet ist der Name für das hebräische Alphabet, nach seinen ersten beiden Buchstaben Alef und Bet benannt. Das A., von rechts nach links geschrieben, ist eine der ältesten alphabetischen Schriften überhaupt, und sein Ursprung wird dem Einfluß der Phönizier zugeschrieben. .

Allerheiligstes
(Hebr. Kodesch Hakodaschim') Der westlich liegende, innerste und heiligste Raum des Tempels bzw. des Stiftszeltes. Es handelte sich um einen würfelförmigen Raum (im Stiftszelt 10, im Tempel 30 Kubikellen). In ihm wurde ursprünglich die Bundeslade mit den Bundestafeln verwahrt. Im zweiten Tempel, nach Verlust der Bundestafeln, stand das A. leer. Das A. durfte nur einmal im Jahr, am Jom Kippur, vom Hohepriester betreten werden.

Amalek
Enkel Esaus und somit ein Großneffe Jakobs (Gen. 36,12). A., Sohn des Elifas, hat nach jüdischer Tradition Esaus Haß auf Jakob (Gen. 27,41) nicht nur ererbt, sondern so sehr verinnerlicht, daß das nach ihm benannte, nach jüdischer Überlieferung aus ihm hervorgegangene Volk den Judenhaß zu seinem Lebensprinzip gemacht hat.

Amoräer
(aram., wörtl. etwa 'Sprecher') Die Weisen des Talmud nach Abschluß der Mischnaredaktion Etwa in den Jahren 200-500 n.

aschkenasisch
Die Weltjudenheit teilt sich heute hauptsächlich in aschkenasiche und sefardische Juden. 'Aschkenas' ist seit der talmudischen Zeit die hebräische Bezeichnung für Deutschland. Die aschkenasischen Juden stammen aus Mittel- und Osteuropa. Das aschkenasische Judentum stellt weltweit über drei Viertel, in Israel etwa die Hälfte der jüdischen Gesamtbevölkerung.

Assimilation
(lat., wörtl. 'Angleichung') Ein infolge der Aufklärung hauptsächlich von Westeuropa ausgehender, sich in der Gegenwart auf die Mehrzahl der jüdischen Weltbevölkerung erstreckender Angleichungsprozeß an die Umweltkultur. Die A. beinhaltet einen Verzicht auf die jüdische Eigenart und eine Identifizierung mit der Gastnation. Der Kampf gegen die A. war und ist bis heute erklärtes Anliegen vieler jüdischer Organisationen.

Austrittsgemeinde (Trennungsgemeinde)
Eine sich im Jahre 1877 um Rabbiner Hirsch in Frankfurt formende Gemeinde, die das mühselig erkämpfte Austrittsgesetz des Vorjahres, das die Bildung neuer Religionsgemeinschaften im wilhelminischen Reich zuließ, in Anspruch nahm. Ähnliche A.n bildeten sich auch in einigen anderen deutschen Städten. Rabbiner Hirschs Forderung an die Mitglieder seiner A., die sich in der Folge herausbildende, weitgehend von den Reformern beherrschte jüdische Einheitsgemeinde zu verlassen, blieb mehrheitlich unerhört. Die meisten Mitglieder der A. verfügten somit über eine Doppelmitgliedschaft und gehörten sowohl der A. als auch der jüdischen Einheitsgemeinde an.

Balfour-Deklaration
Eine vom englischen Außenminister Lord Arthur J. Balfour dem Förderer der zionistischen Bewegung Baron Rothschild im Namen der britischen Krone am 2. November 1917 schriftlich übermittelte, zur Veröffentlichung bestimmte Botschaft. Darin macht die britische Regierung der zionistischen Bewegung die Zusicherung, die Zionisten beim Aufbau eines jüdischen Nationalheims in dem von den Engländern im 1. Weltkrieg eroberten Palästina zu unterstützen.

Bar-Kochba-Aufstand
Ein in den Jahren 131-135 n. von Bar Kochba geleiteter Aufstand gegen die römische Besatzung Judäas, der trotz beträchtlicher Anfangserfolge (Befreiung des ganzen Landes) schließlich scheiterte. Der Name Bar Kochba, wörtl. 'Sternensohn`, wurde dem Anführer des Aufstandes in Anspielung auf eine Prophezeiung in Num. 24,17 verliehen und ist Ausdruck der mit seiner Person verbundenen Messiaserwartung.

Brachjahr
(Hebr. 'Schewi'it' oder 'Schemita') Ein von der Tora (Ex. 23,10-11, Lev. 25,1-7) verordnetes, alle sieben Jahre wiederkehrendes landwirtschaftliches Ruhejahr, in dem landwirtschaftliche Arbeiten verboten sowie die Besitzansprüche der Landeigentümer zugunsten der Allgemeinheit für ein Jahr ausgesetzt werden. Da gerade für das dem Brachjahr vorangehende sechste Jahr von der Tora reiche Ernte versprochen wird (Lev. 25,20-21), kann das biblische B. nicht als für die Erholung des landwirtschaftlich überanspruchten Landes konzipiert verstanden werden. Es hatte vielmehr eine religiöse und eine soziale Funktion. Im Hinblick auf die erstere gilt es als Hinweis auf Gottes letztendliches Eigentumsrecht auf das Land (Lev. 25,23). In die soziale Funktion fügt sich ein weiterer zentraler, nicht-landwirtschaftlicher Aspekt des B.s: der Schuldenerlaß (Dt. 15,1-2). Die für das B. verkündete Verjährung aller Schulden wurde allerdings bereits im 1. Jh. v. durch die Prosbul-Regelung ausgesetzt.

Brauch
(Hebr. 'Minhag') Als B.e werden all diejenigen gemeinschaftlich geübten religiösen Handlungen oder auch Unterlassungen bezeichnet, an deren Ursprung keine religionsgesetzliche Basis auszumachen ist. Dies ist z.B. der Fall, wenn sie auf einer den Propheten zugeschriebenen Überlieferung basieren oder einfach von breiten Schichten des Volkes gepflegt werden, ohne daß für sie eine autoritative Quelle angegeben werden kann. Es gibt auch ortsgebundene B.e.

Bund des Regenbogens
Nach der Sintflut zwischen Gott und der Gesamtmenschheit geschlossener Bund, in dem sich Gott verpflichtet, keine Sintflut mehr über die Menschheit zu bringen. Als Zeichen des Bundes bestimmte Gott den Regenbogen (Gen. 9,8-17).

Bundestafeln
(Hebr. Luchot Habrit') Die beiden Moses im Anschluss an die Offenbarung am Berg Sinai von Gott übergebenen Gesetzestafeln (Ex. 34,1;28-29) mit den zehn Geboten (Ex. 20,2-14). Es handelt sich hierbei um die zweiten Gesetzestafeln, da die ersten von ihm nach der Sünde des goldenen Kalbes zerschmettert wurden (Ex. 32,19). Die B. wurden nach Zeugnis der Bibel bis zur Zerstörung des 1. Tempels in der Bundeslade, die sich im Allerheiligsten befand, aufbewahrt. Danach verlieren sich ihre Spuren. Nach talmudischer Tradition wurde die Bundeslade mit den B. vor der Zerstörung des ersten Tempels in den Boden des Tempelberges versenkt (Joma 53b). Im zweiten *Tempel stand das Allerheiligste bereits leer.

Chanukka(fest)
(wörtl. 'Einweihung') Achttägiges Lichterfest im Winter (25. Kislew bis 2. Tewet). Mit ihm wird des Sieges der Makkabäer über die griechischen Seleukiden (2. Jh. v.) sowie des Chanukkawunders gedacht (s. auch Chanukkakerzen).

Chanukkakerzen
Anläßlich des im Winter begangenen achttägigen Chanukkafestes anzuzündende Kerzen. Es ist Brauch, jeden Tag eine Kerze mehr anzuzünden, bis man am letzten Chanukkatag acht Kerzen anzündet (s. auch Chanukkawunder).

Chanukkawunder
Ein Wunder, das sich nach talmudischer Tradition bei der Wiedereinweihung des Tempels durch die Makkabäer im Jahre 165 v. ereignete. Es wurde nur ein einziges kleines Ölfässchen mit von den Griechen unentweihtem, zum Anzünden des siebenarmigen Tempelleuchters geeignetem Öl gefunden. Dieses hätte normalerweise nur für eine Nacht gereicht, brannte aber acht Nächte lang (s. auch Chanukka und Chanukkakerzen).

Chassidim
(wörtl. 'Fromme'; Sing. Chassid) Anhänger des Chassidismus.

Chassidismus
(von Hebr. Chassid', der Fromme) Eine von Baal Schem Tow (Wörtl. Meister des guten Namens'; Israel Ben Eli'eser, Okop 1700?-1760 Mied?ybo?) in der ersten Hälfte des 18. Jh. in der Ukraine ins Leben gerufene volkstümlich religiöse Erneuerungsbewegung, die der einfachen und hingebungsvollen Volksfrömmigkeit größere religiöse Kraft zuschrieb als der nur einer geistigen Elite vorbehaltenen Gelehrsamkeit. In seinen Ursprüngen zeichnete sich der Ch. durch eine nahezu ekstatisch erlebte Sehnsucht nach bzw. Nähe zum Göttlichen aus. Der Ch. verstand es meisterhaft, kabbalistische Inhalte zu popularisieren und so zum Volksgut werden zu lassen. Chassidische Gesänge und Melodien gelten bis heute als Ausdruck der besonderen jüdisch-chassidischen Frömmigkeit. Der Ch. weitete sich bereits kurz nach seinem Entstehen über ganz Osteuropa aus und wurde von zahlreichen Toragelehrten (den sog. Mitnagdim', wörtl. Gegner') bekämpft. Die Ausbreitung des Ch. konnte deren Widerstand jedoch nicht verhindern, und der Ch. beherrscht bis heute große Teile des aschkenasischen Judentums. In demselben Maße, in dem der Ch. im Verlaufe der weiteren Entwicklung, bei Beibehaltung des volkstümlichen Elements, zur Toragelehrsamkeit zurückfand, ließ die Befehdung durch seine Gegner nach. Heute bildet er einen integralen Bestandteil des jüdisch-religiösen Lebens. Es gibt zahlreiche Schattierungen des Ch. mit einer Vielzahl chassidischer Dynastien. Diese haben ihre Entstehung der zentralen Rolle des Rebbe zu verdanken. Der Rebbe ist ein chassidischer Rabbiner, der nicht immer durch die Kraft seiner Gelehrsamkeit, sondern vielmehr durch die seines geistig-spirituellen Charismas eine Anhängerschaft um sich schart, die ihm und seinen meist familiär bestimmten Nachfolgern dann oft über Generationen hinweg treu bleibt. Es gibt bis heute nur wenige chassidische Dynastien, die auch ohne die Zentralautorität eines Rebbe weiterbestehen konnten.

Cheder
(wört. 'Zimmer') Traditionelle jüdische Lehrstube für (ca.3-10jährige) Knaben, in der zunächst das Hebräischlesen beigebracht, in der Folge die Tora gelehrt wird.

Chmjelnizki
(1590?-1657) Ukrainischer Nationalheld und radikaler Judenfeind. Führer des Kosakenaufstandes gegen die Polen in den Jahren 1648-1651 und Initiator einer damit einhergehenden Pogromwelle gegen die Juden. In den von Ch.s Kosakenbanden eroberten Gebieten wurden die jüdischen Gemeinden verwüstet und Zehntausende von Juden ermordet.

Chur
(in der Lutherbibel 'Hur') Einer der jüdischen Ältesten zur Zeit der Wüstenwanderung. Nach 1. Chroniken 2,19 war er der Sohn des Kaleb und der Efrat, die nach jüdischer Tradition mit Moses†˜ Schwester Miriam identisch ist. Ch. wird beim Kampf Josuas gegen Amalek gemeinsam mit Aharon als Moses Hände stützend erwähnt (Ex. 17,12). Nach Ex. 24,14 waren es wieder Aharon und Chur, die für die vierzig Tage, die Moses auf dem Berg Sinai weilte, um von Gott die Bundestafeln zu erhalten, mit der Leitung des Volkes anvertraut wurden. Der Midrasch weiß zu berichten, daß es Ch. mit dem Leben bezahlt hat, da er kurz vor Moses†˜ Rückkehr wegen seines Widerstandes gegen das goldene Kalb von der Menge getötet wurde (Sanhedrin 7a).

Der hebräische Kalender
Seit biblischen Zeiten von den Juden benutzter Lunisolar-Kalender, dessen Jahre nach dem Sonnenzyklus (Sonnenjahre) und dessen Monate nach dem Mondzyklus (Mondmonate) berechnet werden.

Diaspora
(gr. für 'Zerstreuung', hebr. 'Gola', 'Galut') Bezeichnung für die über die ganze Welt (außerhalb Israels) verstreuten jüdischen Gemeinden.

Die heilige Lade
1. Die Bundeslade. Sie enthielt die beiden Gesetzestafeln mit den zehn Geboten.

Die Hochdeutsche Israelitengemeinde in Altona
Offizielle Bezeichnung der aschkenasischen jüdischen Gemeinde in Altona.

Die Weisen
Sammelbezeichnung für die jüdischen Gelehrten aller Zeiten, insbesondere für die Tannaiten und Amoräer.

Dreyfus-Prozess
Ein 1894-1895 vom französischen Staat gegen den einzigen jüdischen Offizier im französischen Generalstab, Alfred Dreyfus (1859-1935), unter der Beschuldigung der Spionage für Deutschland geführter Hochverratsprozeß, der von antisemitischen Ausschreitungen begleitet war und mit einem Schuldspruch endete. Im Anschluß auf Dreyfus†™ Verurteilung wurden indes Zweifel hinsichtlich seiner tatsächlichen Schuld laut, wobei zunehmend auch Vertuschungsmanöver seitens der in den Prozeß verwickelten Militärs bekannt wurden. Aufgrund der in der Folge einsetzenden, vom berühmten französischen Nationalschriftsteller Emile Zola angeführten Kampagne zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens weitete sich der D-P in der Folge zur Dreyfus-Affäre aus, die ganz Frankreich erschütterte. Mit dem vollständigen Freispruch Dreyfus†™ im Revisionsprozeß wurde die Dreyfus-Affäre im Jahre 1906 beendet. Der D-P spielte eine zentrale Rolle in Herzls Erweckung zum Zionismus.

Ellul
Monat des hebräischen Kalenders im Frühherbst. Der Monat E., Vormonat der im Monat Tischri stattfindenden Hohen Feiertage, zeichnet sich durch die seelisch-geistige Vorbereitung auf diese ernsten Feste aus. Beim Morgengebet werden spezielle Bussgebete zugefügt und es wird ins Schofar geblasen.

Erstlingsfrüchte
(Hebr. 'Bikurim') Die zur Zeit des Tempels in Jerusalem alljährlich vom Schawuotfest bis Chanukka von jedem Landbesitzer dort darzubringenden ersten Früchte seines landwirtschaftlichen Ertrags, sofern diese zu einer der sieben Arten gehörten, durch die sich nach Dt. 8,8 das Land Israel auszeichnet: Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln (Mischna Bikurim 1,3). Die Tora kennt für die E. kein Mindestmaß, die Weisen des Talmud setzten es auf 1/60 des Ernteertrags fest (Chullin 137b). Die E. wurden in feierlichen Prozessionen, die sich noch in den jeweiligen Ausgangsorten organisierten, nach Jerusalem gebracht, wo sie bei einem zeremoniellen Akt den Priestern als den ihnen von der Tora zugedachten Eigentümern übergeben wurden (Mischna Bikurim Kap. 2-3). Die E. durften dann, da sie zu den heiligen Speisen zählen, unter Wahrung bestimmter ritueller Reinheitsgebote nur von den Priestern bzw. ihren Hausangehörigen gegessen werden. Beim Darbringen der E. sprach der Darbringende die Verse Dt. 26,3-11, in denen er seinen Dank dafür zum Ausdruck brachte, dass 'uns Gott aus Ägypten hinausgeführt hat und uns dieses Land gab, das mit Milch und Honig fließt' (Mischna Bikurim 3,6).

Gaon
(Wörtl. etwa 'Exzellenz') Nachweislich seit dem 7., vielleicht aber schon dem 6. Jh. gebräuchlicher Titel der Leiter der beiden nachtalmudischen babylonischen Jeschiwot in Sura und Pumbedita. Die Geonim galten als die geistigen Führer des Judentums und ihre Autorität erstreckte sich auch auf außerhalb Babyloniens ansässige Diaspora-Gemeinden. Aufgrund ihres Ansehens als Gelehrte und Dezisoren wurden ihre Lehrhäuser so zum obersten Gerichtshof des Gesamtjudentums. Die Personalbesetzung des Geonats, die lange Zeit in den Händen des Exilarchen, der obersten politischen Autorität des babylonischen Judentums lag, wurde mitunter auch von politischem Kalkül geleitet, so dass sie nicht immer einwandfrei war. Dennoch blieb die religionsgesetzliche Autorität der Geonim weitgehend unangetastet. Mit der Verlagerung des jüdischen Bevölkerungszentrums nach Spanien und der damit einhergehenden Erlöschung des babylonishen Gaonats im 11. Jh verlor das Judentum seine letzte allgemein anerkannte zentrale Entscheidungsstelle in religionsgesetzlichen Fragen.

Gebot
(Hebr. 'Mizwa') Eine der nach jüdischer Tradition von der Tora vorgeschriebenen 613 Gesetzesvorschriften (=Toragebot) bzw. eine von den jüdischen Gelehrten später erlassene, ebenfalls verpflichtende religiöse Vorschrift (=rabbinisches Gebot).

Gematria
(Zahlenwert) Der Z. ist immer Z. eines Buchstabens, Wortes oder Satzes. Alle 22 hebräischen Buchstaben haben einen Z., wobei 'Alef' (der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets) den Zahlenwert 1 und 'Taw' (der letzte Buchstabe) den Z. 400 besitzt. Wenn man das hebräische Alef-Bet (Alphabet) vor sich hat, kann man den Zahlenwert eines Buchstabens durch hinzuzählen errechnen. Bei den ersten 10 Buchstaben wird immer 1 hinzugezählt, dann (ab dem 10. Buchstaben, d.h. 'Jud') immer 10 und schließlich (wenn mit dem 19. Buchstaben 'Kuf' so die 100 erreicht wurde) vollziehen sich die Sprünge mit 100.

gesetzestreu (orthodox)
Nach dem jüdischen Religionsgesetz (=Halacha) lebend und dessen Gebote und Verbote als verbindlich ansehend. Selbstbezeichnung des orthodoxen Judentums.

Gesetzesreligion
Ein in der deutschen Sprache seit Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbarer Oberbegriff, mit dem von christlich-theologischer Seite vornehmlich das Judentum, in einem geringeren Maße auch der Islam bezeichnet wurde und wird. G. ist jede Religion, die auf den Menschen hauptsächlich durch verpflichtende Ge- und Verbote einzuwirken sucht.

Haftara
(Prophetenlesung, wörtl. etwa Entlassung', Verabschiedung', Abschluß' )

Haggada
Wörtl. 'Erzählung'. Gemeint ist die 'Haggada schel Pessach', die Erzählung vom Auszug aus Ägypten. In der ersten Nacht (in der Diaspora in den zwei ersten Nächten) des Pessachfestes gilt das Gebot des 'Erzählens', wie es im Buch Exodus formuliert ist. Dort gibt im Verlaufe des Auszugs aus Ägypten Gott den Juden das Gebot, dieses Ereignisses für alle Zukunft alljährlich am Pessachfest zu gedenken. Unter anderem heißt es dort (13,8): 'Und du sollst deinem Sohn erzählen an jenem Tag'. Im Laufe der Generationen wurde dieses ursprünglich auch formlos erfüllbare Toragebot von den jüdischen Weisen in eine feste Form gegossen: die Pessach-Haggada. Die Hauptelemente der heutigen H. befinden sich schon in der Mischna (Pessachim, Kap. 10). Die heute in der gesamten jüdischen Welt mit nur leichten Änderungen benutzte H. enthält noch weitere Zusätze, die im Mittelalter hinzukamen. (Siehe Pessach in unserer Schatztruhe).

Halacha
(adj. halachisch)

Herzl, Theodor Benjamin Se†˜ew (Budapest \ 1860-1904 Edlach)
Begründer des politischen Zionismus. Journalist, Bühnenautor und Schriftsteller. H. stammte aus einer assimilierten österreich-ungarischen jüdischen Familie und wurde auf Grund seiner Erfahrungen mit dem Antisemitismus (Dreyfus-Prozeß) zur Vision eines jüdischen Nationalheims erweckt. Herzl propagierte seine Idee zunächst in seiner Schrift 'Der Judenstaat' (1896) und in der Folge auf dem von ihm einberufenen ersten zionistischen Weltkongress in Basel (1897). Die wenigen ihm danach verbliebenen Jahre verbrachte H. in fiebriger Tätigkeit für die zionistische Sache. Seine Rolle als der visionäre Begründer des jüdischen Staates ist unumstritten. H.s sterbliche Überreste wurden nach der Staatsgründung Israels nach Jerusalem überführt und dort auf dem Herzl-Berg bestattet.

Hillel (der Alte)
Herausragender jüdischer Gelehrter, der im 1. Jh. v. und 1. Jh. n. lebte. Ursprünglich aus Babylon kommend, wurde H. zu einem der führenden Weisen im Lande Israel und schließlich zum Vorsitzenden des Sanhedrin. H. gilt als der Begründer der Hillelschen Lehrmethode ('Bet Hillel'), die sich in der Halacha durchgesetzt hat, sowie der Hillel-Dynastie, die über Jahrhunderte hinweg die Vorsitzenden des Sanhedrin stellte.

Hirsch, Samson Raphael (Hamburg 1808-1888 Frankfurt/Main)
Herausragender orthodoxer Rabbiner in Deutschland in der Emanzipationszeit. Vordenker und Führer der gesetzestreuen deutschen Judenheit in der Neuzeit. Vertreter der Neo-Orthodoxie, kompromißloser Gegner des Reformjudentums und Begründer der (Frankfurter) Trennungsorthodoxie. Als Verfasser religionsphilosophischer Schriften, Tora- und Psalmenkommentator, Publizist sowie in seiner öffentlichen Tätigkeit versuchte H. unter dem Banner von 'Tora im Derech Erez' traditionelles Judentum und Moderne in Einklang zu bringen.

Hohe Feiertage
Die im Herbstmonat Tischri begangenen, im Abstand von zehn Tagen aufeinanderfolgenden Feiertage Rosch Haschana und Jom Kippur.

Hohepriester
Ein aus den Reihen der Priester zu wählendes Priesteroberhaupt, das mit besonderen Pflichten und Rechten, sowie einer großen religionsgesetzlichen Autorität ausgestattet war. Einige der heiligsten opferdienstlichen Handlungen im Tempel durften nur vom H. vollzogen werden.

Isaac Breuer
Energischer Vorkämpfer des orthodoxen deutschen Judentums in der letzten Generation vor der Schoa und einer seiner originellsten und tiefsinnigsten Denker. Enkel des Rabbiners Samson Raphael Hirsch. In philosophischer Hinsicht ein erklärter Kantianer (Hauptwerk Der neue Kusari', 1934) und Doktor der Jurisprudenz, machte sich B. als orthodoxer Literat und Intellektueller sowie als redegewandter Anführer der Austrittsgemeinde einen Namen. B. sah sich in Wort und Tat als Nachfolger S.R. Hirschs. Obwohl er den Zionismus bekämpfte, da er ihn als Assimilation auf nationaler Ebene ansah, propagierte er die Bereitstellung des jüdischen Volkes und Landes zu ihrer Wiedervereinigung'. Diese sei allerdings nur unter der Herrschaft Gottes' legitim. B. war führend in der Agudat Jisrael tätig, obwohl sich seine Orientierung aufs Land Israel dort nicht durchsetzen konnte. Im Jahre 1936 wanderte B. aus Frankfurt nach Palästina aus, wo er 10 Jahre später verstarb.

Jeschiwa
(Pl. Jeschiwot)

Jobeljahr
Ein nach Toravorschrift (Lev. 25,8ff und 27,17ff) alle fünfzig Jahre (nach jeweils sieben Brachjahren) zu begehendes 'Freiheitsjahr' (Hes. 46,17), in dem Sklaven freigelassen werden und verkaufte Ländereien zu den ursprünglichen Eigentümern zurückkehren sollen. In landwirtschaftlicher Hinsicht und im Bezug auf die Wahrnehmung der Landeigentumsrechte gelten für das J. dieselben Beschränkungen wie für das Brachjahr. Der Begriff J. geht auf das hebräische 'Jowel', Widderhorn, zurück. Mit dem Blasen ins Horn soll nach Toravorschrift am Jom-Kippur jedes 50. Jahres das J. verkündet werden (Lev. 25,9). Das J. heißt daher bei Luther auch 'Halljahr'. Die deutschen Worte 'jubeln', 'Jubiläum', 'Jubeljahr' u.s.w. gehen in ihrem Ursprung auf das hebräische 'jowel' zurück, das durch die lateinische Bibelübersetzung (wo von 'annus jubilaeus' die Rede ist) auch in europäische Sprachen eingedrungen ist.

Joch der Gebote
(hebr. 'Ol Mizwot') Aus der Mischna (Berachot 2,2) stammende Bezeichnung für die von einem Juden erwartete Bereitschaft, Gottes Gebote bedingungslos zu erfüllen. 'Joch' wird hier - entsprechend seiner tatsächlichen Funktion - nicht als 'Bürde', sondern vielmehr in seiner richtungsgebietenden Eigenschaft aufgefaßt.

Jom Kippur
(Wörtl.: Tag der Sühne) Versöhnungstag. Höchster jüdischer Feiertag, der am 10. Tag des hebräischen Herbstmonats Tischri mit Gebet und Fasten begangen wird. Am J.K. wendet sich der sich seiner Sündhaftigkeit bewußte Mensch mit dem Entschluß zur Besserung und der Bitte um Sündenvergebung an seinen Schöpfer (Siehe unsere Schatztruhe).

Kabbala
(Wörtl.: Annahme,Erhalt)

Kidusch
(Wörtl. 'Heiligung'). In der Tora heißt es: 'Gedenke des Schabbattages ihn zu heiligen' (Ex. 20,8). Das 'Gedenken' der dem Schabbat innewohnenden Heiligkeit geschieht in der Form des K. direkt vor den beiden Hauptmahlzeiten am Schabbatabend und am Tag. Dasselbe gilt auch für die Festtage. Der K. besteht neben einer Anzahl von Toraversen aus einem oder mehreren Segenssprüchen . Diese werden über einem vollen Becher Wein gesprochen. Der K. weist dem Schabbat bzw. dem Festtag seine jeweilige besondere Bestimmung zu, durch die er sich von den anderen Tagen abhebt.

Kislew
Wintermonat. Monat des hebräischen Kalenders. Im Monat Kislew findet das Chanukkafest statt.

koscher
(hebr. 'kascher') Den jüdischen Speisegesetzen (Kaschrut) entsprechend. Diese verbieten den Genuß bestimmter Tiere, lassen den Genuß von erlaubten Säugetieren und Vögeln nur nach besonderer Schlachtung (dem sog. Schächten) zu und erfordern strikte Trennung von Fleisch- und Milchprodukten.

Kundschafter
In Num. 13,2-15 namentlich erwähnte 12 Kundschafter, je einer pro Stamm, die das Land Kanaan für die aus dem Sinai kommenden israelischen Stämme auskundschaften sollten. Nach dem biblischen Bericht versagten die Kundschafter in ihrer Aufgabe, da 10 von ihnen die Juden von der ihnen von Gott anbefohlenen Landnahme abbrachten (Num. 13,27-14,10). Denn obwohl sie zugaben, daß das Land von Milch und Honig überfließt und stolz die von ihnen mitgebrachten prächtigen Früchte des Landes zeigten (ebd. 13,27), schlossen sie mit der 'Verleumdung des Landes': 'Wir können nicht gegen das Volk ziehen, es ist uns zu stark ... Das Land, das wir durchzogen haben, um es auszukundschaften, ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt ... laßt uns ein Oberhaupt bestimmen und nach Ägypten zurückziehen'. Dieser 'Sünde der 10 Kundschafter' ist die vierzigjährige Wanderung der Juden durch die Wüste zuzuschreiben, denn erst 'eure Kinder werde Ich hineinführen, und sie sollen das Land kennenlernen, das ihr verworfen habt' (Num. 14,31-33).

Liberale(s Judentum)
Aus dem Reformjudentum hervorgegangene und mit diesem stark verwandte jüdisch-religiöse Neuerungsbewegung. Das L.J. fordert zwar die Erhaltung gewisser religiöser Formen, wertet aber nur diejenige Religionsausübung als Ausdruck echter Frömmigkeit, die nach der Lehre der Propheten religiöse Gesinnung und sittliche Tat umfaßt. Die Problematik der L.J. besteht darin, daß das Prinzip der Entwicklung und der individuellen Religiösität das Vorhandensein einer autoritativen religiösen Instanz notwendig macht, die den Umfang der als verbindlich betrachteten Glaubenssätze und religiösen Handlungen bestimmt. So eine Instanz hat sich indes im liberalen Judentum nicht herausgebildet. (nach Philo-Lexikon, 1936)

Litauische Methode
Besondere in litauischen Jeschiwot praktizierte Methode des Talmudstudiums, bei der auf eine optimale intellektuelle Durchdringung des talmudischen Textes sowie Lösung der sich darin abzeichnenden Fragen Wert gelegt wird.

Man unterscheidet ferner zwischen theoretischer und praktischer K. Erstere begnügt sich mit einer Einsichtnahme in eine der äußeren Welt zugrundeliegende innere Daseinsstruktur, während die letztere bestrebt ist, auf diese auch Einfluß zu n
Im Zuge der Aufklärung wurde die K. im 18. und 19. Jahrhundert als Aberglaube angegriffen. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde - vor allem durch die wissenschaftlichen Pionierarbeiten Gershom Scholems (Berlin 1897-1982 Jerusalem) - der ernsthafte Versuch unternommen, den Stellenwert der K. im Judentum und ihren Beitrag zum jüdischen Geistesleben zu erforschen und zu würdigen.

Maimonides, Moses (Cordoba 1135-1204 Kairo)
In jüdischen Kreisen als Rambam (Abk. für Rabbi Mosche Ben Maimon) bekannter Talmudgelehrter, Arzt und Philosoph. Verfasser eines Kommentars zur Mischna, des ersten systematisch geordneten religionsgesetzlichen Kodexes Mischne Tora sowie des Führers der Unschlüssigen, einer über das Judentum hinaus bekannten religionsphilosophischen Schrift. Maimonides†™ talmudisches Wissen sicherte ihm die Ehrfurcht aller kommenden Gelehrtengenerationen, während seine in der mittelalterlichen aristotelischen Tradition stehenden religionsphilosophischen Schriften seinen Ruf als bedeutendster jüdischer Religionsphilosoph des Mittelalters begründeten. Maimonides stand schon zu Lebzeiten bei Juden und Nichtjuden in einem hohen Ansehen. Dieses blieb in jüdischen Kreisen bis heute unübertroffen und spiegelt sich in dem populären Spruch: 'Von Moses bis Moses gab es keinen wie Moses'.

Mazza
Das von der Tora den Juden für das Pessachfest vorgeschriebene Fladenbrot, meist als 'ungesäuertes Brot' übersetzt. Die M. muß aus ungesäuertem, d.h. nicht aufgegangenem Teig gebacken sein. Für das Mazzamehl darf nur eine der fünf Getreidearten Weizen, Gerste, Dinkel, Hafer oder Roggen verwendet werden ( Schulchan Aruch, Orach Chajim 453,1). Die M. wird in der Haggada als das 'Brot der Armut' bezeichnet, 'das unsere Väter in Ägypten gegessen haben', gilt dort aber paradoxerweise auch als das Brot der Erlösung, die so schnell kam, 'daß der Teig unserer Vorfahren keine Zeit hatte zu säuern', bevor er gebacken wurde. M. essen gilt nur am ersten Abend des Pessachfestes, dem Sederabend, als Pflicht. An den restlichen Tagen des Festes darf man zwar weiterhin nichts Gesäuertes (Chamez) zu sich nehmen, muß aber keine Mazza essen (Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Chamez Umazza 6,1).

Mendelssohn, Moses (Dessau 1729-1786 Berlin)
Deutsch-jüdischer Aufklärungsphilosoph, der in seiner Person den jüdischerseits etwas verspäteten Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit versinnbildlicht. M.s Philosophie orientierte sich an der Philosophie Leibnizs und der Deisten (Freidenker). In seinem öffentlichen Wirken setzte sich M. stark für die Emanzipation der Juden ein. In seinem Alterswerk 'Jerusalem' versucht er, die Vereinbarkeit der traditionellen jüdischen Lehre, der er bis an sein Lebensende treu blieb, mit den zentralen Werten der Aufklärung zu belegen. M.s Anliegen war es, die Juden in die deutsche Aufklärungskultur einzuführen. Alle später entstandenen Strömungen im Gegenwartsjudentum nahmen bei M. geistige Anleihen. Seine Person und seine ideengeschichtliche Stellung im Spannungsfeld zwischen Traditionsbewahrung und Assimilation sind bis heute umstritten.

Messias
messianisch

Midrasch
(wörtl. etwa 'Deutung', 'Auslegung') Teil der mündlichen Lehre.

Minjan
(Wörtl. etwa 'Anzahl`) Ein Quorum von 10 erwachsenen jüdischen Männern, durch das erst ein jüdisches Gebet zu einem Gemeinschaftsgebet wird (Num. 14,27, Talmud Megilla 23b.). Die Zentralität der Gemeinschaft im Judentum stützt sich auf Psalmen 82,1, wo Gottes feste Präsenz gerade ihr, und nicht dem Einzelnen, versprochen wird. Bestimmte, als besonders heilig betrachtete Passagen im Gebet dürfen daher nur gemeinschaftlich gesprochen werden. Somit ist der jüdische Gottesdienst letztendlich auf eine Gemeinschaft angewiesen. Auch bei anderen Ereignissen von religionsgesetzlicher Bedeutung, bei denen eine 'heilige' Handlung Öffentlichkeit erfordert (wie z.B. bei der jüdischen Hochzeitszeremonie), ist ein M. erforderlich (Traktat Ketubot 7a; vgl. Mischna Megilla 4,3).

Mischna
(wörtl. etwa 'Wiederholen', 'Einprägen'). Hauptwerk der jüdischen mündlichen Lehre, die die schriftliche Lehre begleitet und ergänzt. Eine im 2. Jh. von Rabbi Jehuda Hanassi endredigierte Sammlung der bis dahin nur mündlich überlieferten Gesetzesvorschriften. Die M. besteht aus 6 'Ordnungen' mit insgesamt 63 Traktaten.

Mischne Tora
(hebr., wörtl. etwa 'Wiederholung der Lehre') Von Maimonides im Jahre 1180 vollendeter, erster systematisch aufgebauter jüdischer Gesetzeskodex, nach seinen 14 Büchern auch 'Jad Hachasaka' - die 'starke Hand' - genannt ('Jad' hat den hebräischen Zahlenwert 14). Im M.T. wurde der bis heute unübertroffene Versuch unternommen, unter Berücksichtigung der gesamten talmudischen Diskussion das ganze jüdische Gesetz systematisch zu ordnen und auch in im Talmud unentschiedenen Fragen zu einer religionsgesetzlichen Entscheidung zu gelangen. Im Gegensatz zu anderen, insbesondere späteren religionsgesetzlichen Werken, behandelt der M.T. auch solche Bereiche des jüdischen Gesetzes, die z.Z. auf die Theorie beschränkt sind (wie z.B. den Gottesdienst im Tempel, die Vollmachten eines Propheten u.ä.). Maimonides†™ kaum zu überbietender Ruf als Gelehrter beruht in erster Linie auf dem M.T.

Misrachi
Akrostichon von (Hebr.) 'Merkas Ruchani' ('Geistiges Zentrum'). Im Jahre 1902 in Wilna gegründene Vereinigung gesetzestreuer Zionisten . Als seine Hauptaufgabe betrachtet der M. eine die Rolle der Religion stärkende Einflußnahme auf die mehrheitlich sekuläre zionistische Bewegung einerseits, sowie die Propagierung des Zionismus unter den gesetzestreuen Juden andererseits. Der M. etablierte sich als gewichtige Minderheitenfraktion mit eigenen Institutionen und einem eigenen Erziehungswesen innerhalb der zionistischen Bewegung und steuerte aktiv zum Aufbau des Landes Israel sowie zur Staatsgründung bei. Aus dem M. ging die seit der Staatsgründung in der Knesset (Israelisches Parlament) vertretene und meistens auch an der Regierung beteiligte Religiös-Nationale Partei hervor.

Mussaf-Gebet
(Wörtl.: Zusatzgebet) Besonderes Gebet, das an Schabbat und Feiertagen zusätzlich zu den anderen drei Tagesgebeten gesprochen wird.

Neo-Orthodoxie
Eine von der Wissenschaft des Judentums und dem Reformjudentum dem orthodoxen deutschen Judentum (unter der Führung S.R. Hirschs) des 19. Jahrhunderts zugesprochene Namensbezeichnung. Als N-O wird allgemein diejenige Richtung im modernen orthodoxen Judentum bezeichnet, die sich Rabbiner Hirschs Leitmotiv der Tora im Derech Erez, d.h. der 'Vermählung' der traditionellen jüdischen Lehre mit der Aufklärungskultur bzw. der Moderne überhaupt, zueigen gemacht hat.

Neumond
(Hebr. 'Rosch Chodesch') Der allmonatlich anläßlich des jeweiligen Wiedererscheinens des Mondes begangene Monatsanfang. Der N. wird entweder einen oder zwei Tage lang begangen und macht sich vor allem in zusätzlichen Gebeten bemerkbar.

Neumondbestimmung
Bestimmung des Monatsanfangs. Die traditionelle jüdische Prozedur zur N. stützte sich in talmudischer Zeit nicht nur auf astronomische Berechnungen, sondern aus religionsgesetzlichen Gründen auch auf Augenzeugen, die den Neumond gesehen haben. Deren Aussage wurde von der obersten Gerichtsinstanz im Lande Israel - die ausschließliche Autorität zur N. - entgegengenommen und nach den üblichen Regeln eines Zeugenverhörs überprüft. Wurde sie angenommen, erklärte das Gericht den betreffenden Tag zum Monatsanfang. Wurde sie für unglaubwürdig befunden, haben sich die Augenzeugen verspätet oder sind sie gar erst überhaupt nicht eingetroffen, so wurde erst der nächste Tag zum Monatsanfang proklamiert.

Nissan
Frühlingsmonat. Monat des hebräischen Kalenders. Erster Monat im Hinblick auf die Festtagszählung.

orthodox
Nach dem jüdischen Religionsgesetz (=Halacha) lebend und dessen Gebote und Verbote als verbindlich ansehend. Selbstbezeichnung des orthodoxen Judentums.

Palästina
Von den Römern eingeführte Bezeichnung für das Land Israel, die implizit - da nach dem damals zwar bereits ausgestorbenen, im Altertum jedoch die Küste Israels bewohnenden nichtjüdischen Stamm der Philister benannt - den jüdischen Anspruch aufs Land Israel in Frage stellt. Der Name P. für das Land Israel wurde in der Folge sowohl von den Christen als auch von den Moslems (Filastin) übernommen. Zur Zeit des britischen Mandats (1917-1948) war 'Palestine' die offizielle Bezeichnung für das Land Israel, die bedenkenlos auch von den Zionisten benutzt wurde. Erst seit Gründung des Staates Israel (1948) und infolge des arabisch-israelischen Konflikts gewann der Name P. die ihm von den Römern in judenfeindlicher Absicht in die Wiege gelegte Bedeutung wieder, in der ein Protest gegen den jüdischen Anspruch aufs Land Israel mitklingt.

Paraschat Haschawua
(Wochenabschnitt) Um die Toralesung in einem Ein-Jahres-Zyklus vornehmen zu können, wurden die fünf Bücher Moses in 54 Wochenabschnitte eingeteilt (da das jüdische Jahr manchmal dreizehn Monate und daher mehr als 52 Wochen enthält, siehe hebräischer Kalender). Allwöchentlich, jeweils am Schabbat, wird ein W. gelesen. In Jahren, die keine Schaltjahre sind, werden an manchen Schabbaten zwei W.e zusammengelegt, um den Jahreszyklus zu wahren.

Pessachfest
Siebentägiges (in der Diaspora achttägiges) im Frühlingsmonat Nissan gefeiertes Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert.Das erste der drei Wallfahrtsfeste. Der Höhepunkt des P.es ist der gleich am ersten (in der Diaspora an den ersten zwei) Pessachfeiertag(en) stattfindende Seder-Abend. 'Seder' heißt wörtlich Ordnung, denn die an diesem Abend stattfindende Festmahlzeit findet nach einer genau festgelegten Ordnung statt. Sie steht ganz im Dienst des zentralen Gebots dieses Abends, der Haggada (Erzählung vom Auszug aus Ägypten). Die Seder-Mahlzeit und die Haggada sind miteinander verwoben, und verschiedene symbolische Speisen bieten den Anlaß, unterschiedliche in der Haggada angesprochene Aspekte des Auszugs aus Ägypten zu erörtern: So erinnert z.B. der Maror (Bitterkraut) an die Bitternis der Ägyptischen Sklaverei, während die vier Becher Wein die vier Stufen der Erlösung aus Ägypten symbolisieren. Wie der erste, so ist auch der letzte Tag des P.es ein Feiertag. Er erinnert an die Teilung des Schilfmeeres (Rotes Meer) und an die Rettung des jüdischen Volkes vor der Streitmacht des Pharao. Die dazwischenliegenden Tage gelten als 'Halbfeiertage' (Hebr. 'Chol Hamoed'). Die Werktätigkeit ist an ihnen zwar nicht verboten, man soll jedoch nur das Nötigste tun und sie ansonsten festlich begehen. Während des gesamten P.es gilt ein strenges Verbot, 'Chamez' zu essen. Als 'Chamez' (wörtl. 'Gesäuertes') gilt jegliche Mehlspeise und jedes Backwerk, deren Teig 'aufgegangen', d.h. gegoren ist. Statt Brot werden an Pessach daher sog. Mazzot (Jiddisch 'Mazzes', ungesäuerte Brote) gegessen, zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, der so schnell verlief, daß der Teig nicht aufgehen konnte: 'Und sie backten den Teig zu Mazzot, denn er war nicht gegoren; weil sie aus Ägypten fortgetrieben wurden und sich nicht aufhalten konnten ' (Ex. 12,39).

Pessachopfer
'Am vierzehnten Tage dieses Monats (Nissan) gegen Abend sollt ihr es (das Pessachopfer) darbringen' (Num. 9,3), 'und ihr sollt es einhalten als Satzung für dich und deine Söhne auf ewig' (Ex. 12,24). Als der Tempel noch stand, wurde am Vorabend des Pessachfestes ein Lamm als Pessachopfer dargebracht. Dessen 'Opfercharakter' bestand u.a. darin, dass die anschließend in jedem jüdischen Haus stattfindende Opfermahlzeit mit bestimmten Vorschriften verbunden war. Erst durch sie gewann ein ursprünglich rein physisches Bedürfnis (Essen) einen zusätzlichen geistigen Wert.

Pharisäer
(hebr. 'Peruschim', wörtl. etwa: 'Die Abgesonderten') Die jüdischen Weisen der vor- und frühtalmudischen Zeit. Bewahrer und Überlieferer der von den Sadduzäern bekämpften mündlichen Lehre. Die Pharisäer zeichneten sich durch große Volksverbundenheit aus, und ihr durch keine rechtlich-politische Grundlage abgesicherter geistiger Führungsanspruch war im Volk fest verankert. Auf Grund des fast ausschließlich abwertenden Gebrauchs der Bezeichnung 'P.' im NT wurden die jüdischen Weisen im christlichen Sprachgebrauch fälschlicherweise zu geistlosen Nachbetern des 'toten Gesetzesbuchstabens' und zu Heuchlern gestempelt.

Portugiesische Gemeinde
Eine im 17. Jh. gegründete sefardische jüdische Gemeinde in Hamburg mit einem späteren Ableger in Altona. Die Altonaer P.G. löste sich Ende des 18. Jh. auf. Die P.G. bestand aus ehemaligen portugiesischen Juden.

Priester
(hebr. 'Kohen', Pl. 'Kohanim') Männlicher Angehöriger des ausschließlich familiär erblichen Priestergeschlechts. Nachkomme Aharons aus dem Stamm der Leviten. Die priesterlichen Funktionen im Jerusalemer Tempel - insbesondere der dort veranstaltete Opferdienst - konnten nur von Kohanim wahrgenommen werden.

Prophetenlesung
(Hebr. Haftara', wörtl. etwa Entlassung', Verabschiedung', Abschluß') Der an Schabbat, Neumond und Feiertagen stattfindende Toralesung in derSynagoge folgt die P. Die jüdische Überlieferung weist deren Ursprung der Zeit der antireligiösen Dekrete der hellenistischen Seleukiden zu, die im 2. Jh. v. das Land Israel beherrschten. Die P. sollte die damals mit einem Verbot belegte Toralesung ersetzen. Auch nach Aufhebung dieses Verbots wurde der Brauch der P. beibehalten. Jedem bei der Toralesung gelesenen Wochenabschnitt ist somit ein zusätzlicher Prophetenabschnitt zugeordnet, der eine thematische Ähnlichkeit zu ihm aufweist. Somit werden verschiedene Geschehen, die oft viele Jahrhunderte auseinanderliegen, miteinander in Beziehung gesetzt. Dies begünstigt eine metaphysische Sicht der Ereignisse, da diese dann als verschiedene Erscheinungsformen eines in der Tora zuerst offenbarten zeitübergreifenden Grundmusters aufgefaßt werden können. Bestimmte Schabbate im Jahr haben, genauso wie die Feiertage und Fasttage, ihren eigenen, vom Wochenabschnitt unabhängigen Prophetenabschnitt.

Prosbul
(Gr. etwa 'Hinbringen') Ein von Hillel dem Alten eingeführter, beim Gericht zu deponierender (also 'hinzubringender`) formeller Verwahrungsschein, der in der Praxis eine Aussetzung des biblischen Schuldenerlasses im Brachjahr ermöglichte, gleichzeitig aber den ihm zugrundeliegenden Geist rettete. Die Benutzung des P. erwies sich als notwendig, als die Aufnahme von Schulden nicht mehr die Ausnahme war, sondern als Kreditaufnahme durchaus üblich wurde. Der P. bot eine Handhabe, die schuldenerlassende Funktion des Brachjahres - da sie sich nicht auf vom Gericht verwahrte Gelder erstreckt - auf juristischem Wege auszuschalten (Talmud Gittin 36a).

Proselyt
(Gr. etwa 'Hinzukömmling', hebr. 'Ger' bzw. 'Ger Zedek') Zum Judentum übergetretener Nichtjude. Mit seinem Übertritt wird der P. ein mit gleichen Rechten und Pflichten ausgestattetes vollgültiges Mitglied des jüdischen Volkes.

Rabbi Akiwa
(Geburtsjahr unbekannt, gest. in hohem Alter etwa im Jahre 136 n.) Einer der bekanntesten Tannaiten. Rabbi A. war einer der Ersten, der die mündliche Lehre zu systematisieren suchte und vereinzelt auch schon niederschrieb. Die später von Rabbi Jehuda Hanassi redigierte Mischna beruht zum Teil auf Rabbi A.s Vorarbeiten, die dann von seinem Schüler, Rabbi Meir, weitergeführt wurden. Nach jüdischer Überlieferung stammte Rabbi A. von Proselyten ab. Bis zu seinem 40. Lebensjahr soll er vollkommen ungebildet und selbst des Lesens unkundig gewesen sein. Seine Wendung zum Toragelehrten vollzog sich nach der Heirat mit Rachel, der Tochter eines reichen Mannes aus Jerusalem. Diese erkannte Akiwas Potential und verband die von ihrer Familie abgelehnte Heirat mit der Auflage, daß sich ihr Gatte fortan dem Torastudium widmen solle. Im Laufe von weniger als zwei Jahrzehnten wurde Rabbi A. zum angesehnsten Gelehrten seiner Zeit. Seine Popularität im Volk war außerordentlich groß, seine Schülerschaft ging nach der Überlieferung in die Zehntausende. Rabbi A. war Zeuge der Zerstörung des 2. Tempels durch Titus und unterstützte im greisen Alter den Bar-Kochba Aufstand und dessen Anführer Bar Kochba, den er für den Messias hielt. Nach Scheitern des Aufstandes im Jahre 135 starb er den Märtyrertod von Hand der Römer, als er sich weigerte, seine öffentlichen Toravorträge einzustellen (Talmud Berachot 61b).

Rabbi Josef Karo (Toledo 1488-1575 Zefat)
Bedeutender Talmudgelehrter und Kabbalist und eine der wichtigsten religiösen Autoritäten des 16. Jahrhunderts. Verfasser des Schulchan Aruch ( *der jüdische Gesetzeskodex), der von gesetzestreuen Juden auf der ganzen Welt bis heute als maßgeblich angesehen wird. Rabbi Josef K. erlebte als Kind die Vertreibungen aus Spanien (1492) und Portugal (1496). 1536 lebte er im obergaliläischen Zefat (Safed), das sich seit der Vertreibung der Juden aus Spanien zum Zentrum talmudischer Gelehrsamkeit und kabbalistischer Mystik entwickelt hat.

Rabbiner Kook (Abraham Isaak HaKohen Kook)
(Griva 1865-1935 Jerusalem) Erster aschkenasischer Oberrabbiner des unter englischer Verwaltung stehenden palästinensischen Mandatsgebiets (1921). Befürworter des politischen Zionismus . Begründer des israelischen Oberrabbinats. Bedeutender Talmudgelehrter , Mystiker und Religionsphilosoph.

Rabbinische Gebote
Von den jüdischen Weisen im Laufe der Geschichte erlassene Vorschriften, Gebote und Verbote. Die gesetzgebende Autorität der Rabbiner ist nach jüdischer Tradition in Dt. 17,9-11 verankert. Rabbinische Gebote sind genauso verbindlich wie Toragebote, wenn es auch zwischen diesen beiden Arten von Geboten gewisse quasi-juristische Unterschiede gibt. Grundsätzlich können rabbinische Gebote, da von Menschen erlassen, von Menschen wieder aufgehoben werden. Diese Möglichkeit ist jedoch nicht dem Einzelnen überlassen. Sie ist nur dann gegeben, wenn die Autorität der aufhebenden Körperschaft als größer anerkannt wird als die der erlassenden.

Rambam
In jüdischen Kreisen gebräuchliches Akronym für Maimonides.

Raschi
(Abk. für Rabbi Schlomo Ben Jizchak, Troyes 1040-1105) Der wohl bedeutendste Gelehrte des mittelalterlichen aschkenasischen Judentums. Verfasser eines Tora- und Bibelkommentars sowie eines Kommentars zum babylonischen Talmud. R.s Torakommentar gilt in der jüdischen Welt unangefochten als der Torakommentar schlechthin. Seine Stärke liegt einerseits in seiner Klarheit und Einfachheit, andererseits darin, daß er eine Brücke zur mündlichen Lehre schlägt. Nach Erfindung der Druckkunst war R.s grundlegender Torakommentar das erste hebräisch gedruckte Buch überhaupt (1475), und er wird bis heute in den meisten gedruckten Toraausgaben mit großer Selbstverständlichkeit mit abgedruckt. R.s Torakommentar wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die lateinische Übersetzung wurde auch von christlichen Gelehrten benutzt und übte so auf Umwegen u.a. auf Luthers Bibelübersetzung Einfluß aus. Wie R.s Torakommentar gilt auch sein Talmudkommentar als der grundlegendste, und er fehlt in so gut wie keiner gedruckten Ausgabe des babylonischen Talmud.

Rabbi Josef Dow (Bär) Soloweitschik
(Soloveitchik, Pru?ana 1903-1993 Boston)

Reformjudentum
Eine seit Anfang des 19. Jahrhunderts von Deutschland ausgehende jüdische Reformbewegung, die sich die harmonische Integration der Juden in der von der christlich-abendländischen Aufklärung geprägten kulturellen Umwelt zum Ziel gesetzt hat. Das R. wurde mithin - im Gegensatz etwa zum Protestantismus - weniger aus brennenden religiösen Motiven, als vielmehr aus emanzipatorischen gesellschaftlichen Bestrebungen geboren. Das R. lehnte die Autorität der mündlichen Lehre sowie der Halacha ab und verwarf insbesondere 'Zeremonien', die die Integration der Juden in die christliche Umwelt erschwerten. Es bekämpfte das traditionelle talmudische Judentum - von ihm als 'orthodox' bezeichnet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb sich das R. unter der Führung von Abraham Geiger eine eigene wissenschaftlich-theologische Grundlage, die jedoch nicht verhindern konnte, daß es sich in eine extrem reformatorische und eine eher konservative Richtung spaltete. Die geistigen Grundlagen des R.s sind bis heute in etwa gleich geblieben, wenn sich auch infolge der wachsenden Assimilation und religiösen Indifferenz in den eigenen Reihen der Schwerpunkt seiner öffentlichen Wirksamkeit verlagerte und manche der radikaleren Reformen wieder zurückgenommen wurden. Seine stärkste gesellschaftliche und geistige Basis hat das R. heute in den USA.

Religionsgesetz(lich)
Das jüdische Religionsgesetz. Es basiert auf der Autorität der schriftlichen und mündlichen Lehre (s. Tora und Talmud) und verpflichtet die Juden zur Einhaltung von Ge- und Verboten.

Rema
(Abk. für Rabbi Moses Isserles, Krakau um 1525-1572) Herausragender Toragelehrter und Zeitgenosse des Rabbi Josef Karo. Verfasser der sog. 'Hagahot' (Glossen) zu dessen Schulchan Aruch. Seine Glossen fügte R. überall dort ein, wo die aschkenasische von der vom Schulchan Aruch vertretenen sefardischen Halacha abweicht. Durch sie erst erreichte der Schulchan Aruch seinen bei aschkenasischen und sefardischen Juden gleichermaßen unangefochtenen Status als der maßgebliche religiöse Gesetzeskodex. Neben dem Torastudium beschäftigte sich R. auch eingehend mit den Wissenschaften, der Philosophie und der Kabbala.

Responsen
(Hebr. 'Sche'elot Uteschuwot', wörtl. 'Fragen und Antworten')

Ritualmordlüge
Eine antijüdische Propagandalüge, wonach die Juden nichtjüdische Kinder töten würden, um deren Blut zu rituellen Zwecken zu gebrauchen. Die R. wurde vor allem im Mittelalter im christlichen Europa verbreitet, tauchte aber auch in der islamischen Welt (Damaskus 1840) und bis in die Neuzeit auf (Nationalsozialismus). Die Verbreitung der R. löste häufig Judenpogrome aus.

Rosch Haschana
(Wörtl. 'Kopf des Jahres') Jüdisches Neujahr, das am ersten und zweiten Tag des hebräischen Herbstmonats Tischri begangen wird und auch als Tag des göttlichen Gerichts gilt. Das zentrale Gebot dieses Festes ist das Schofarblasen. R.H. ist ein Tag der Besinnung und der Gebete und der erste der Hohen Feiertage (Siehe unsere Schatztruhe).

Ruhegebot
Der besondere Charakter des Schabbat als Ruhetag findet seinen Ausdruck im R.: Hüte den Schabbattag ihn zu heiligen, auf dass ruhe dein Knecht und deine Magd wie du' (Dt. 5,12-14). Im schabbatlichen R. spiegelt sich Gottes Ruhen' am siebenten Tag, mit dem die vorangehende sechstägige Weltschöpfung abgeschlossen wurde: Denn sechs Tage hat der Ewige gemacht den Himmel und die Erde und am siebenten Tage ruhte er' (Ex. 20,11). Gottes Ruhen', das nach der biblischen Schöpfungsgeschichte das Ende der Schöpfung aus dem Nichts bezeichnet (Gen. 2,2), wird von Maimonides als die endgültige Etablierung des Naturgesetzes interpretiert (Führer der Unschlüssigen 1,67). In der Praxis wird das schabbatliche R. u.a. durch das am Schabbat in Kraft tretende Werkverbot durchgesetzt.

Sadduzäer
(hebr. 'Zedukim', wahrscheinlich vom Priester Zadok abgeleitet) Eine in Kreisen der höheren Gesellschaftsschichten, vor allem unter den Tempelpriestern in der Ausgangsperiode des 2. Tempels verbreitete jüdische Sekte, die die Autorität der mündlichen Lehre ablehnte und allein die Schrift anerkannte. Die S. wurden aufs heftigste von den Pharisäern bekämpft, die die Autorität der mündlichen Lehre verteidigten. Die Differenzen zwischen den S. und den Pharisäern in Fragen des lebensformenden jüdischen Religionsgesetzes waren unüberbrückbar. Nach der Tempelzerstörung im Jahre 70 konnten sich die S. nicht halten. Ihre Grundsätze sollten indes mehrere Jahrhunderte später bei den Karäern eine Wiedergeburt erleben.

Salomo(n)
(Hebr. 'Schlomo'). Nach Schaul (Saul) und David, dritter israelischer König. Sohn Davids. S. war nicht Davids Erstgeborener. Die noch zu Lebzeiten seines Vaters erfolgte Krönung zum König über Israel, die nicht widerstandslos verlief (1. Könige, Kap. 1), verdankte S. der Intervention seiner Mutter Bat Schewa sowie des Propheten Nathan. S. regierte in Jerusalem etwa von 960 bis 920 (nach anderen Berechnungen 971 bis 931) v. der chr. Zeitrechnung. Die Zeit seiner vierzigjährigen Königsherrschaft gilt als die Glanzzeit Israels. Denn während S.s Vater David noch zahlreiche Kriege zur Festigung seiner Herrschaft und Vergrößerung des Reiches führen mußte und sich unter S.s Sohn Rechawam das jüdische Reich bereits in ein Nord- und ein Südreich (Jisrael und Jehuda) spaltete, konnte unter S.s Herrschaft 'ein jeder friedlich unter seiner Weinrebe und unter seinem Feigenbaum wohnen' (1. Könige 5,5).