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Laufenbergs Laster Lexikon
Kategorie: Sprache und Literatur
Datum & Land: 02/01/2009, DE
Wörter: 584


Absurdität
Eine Absurdität ist etwas Widersinniges, etwas, das dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Beispielsweise, wenn die deutsche Bundesregierung sagt, wir könnten trotz der weltpolitischen Entspannung nicht zu einer Berufsarmee übergehen, weil wir die Wehrpflichtigen brauchen, die die Wehrpflicht verweigern (vgl. Zivi, Leistungsloh...

Agnostiker
Zwischen dem, der behauptet, es gebe Gott (der Gläubige), und dem, der behauptet, es gebe Gott nicht (der Atheist), steht der A. als der Ehrliche, der zugibt: Das wissen wir nicht und können wir nicht wissen (vgl. Deismus, Religiosität).

Agrarpolitik
Wird für Europa in Brüssel praktiziert als die geniale Verbindung von sozialistischer Zentralverwaltungswirtschaft mit einem mafiösen Kapitalismus. Effekt: Gigantische Steuergelder-Verschwendung und Überschuss-Produktion bei gleichzeitig fortschreitender Umweltzerstörung und Nahrungsmittelvergiftung (vgl. Bauer, Europa, Lo...

Albernheit
Die aktuelle Form der deutschen A. ist, seine Zunge so zu verdrehen, daß sie beinahe wie eine englische klingt, - aber nur beinahe, sonst könnte ja keiner mehr darüber lachen (vgl. Handy, Verdrängungswettbewerb).

Altersbeschwerden
Der Frau macht ihr Körper immer mehr Schwierigkeiten, je älter sie wird. Ihrem Mann, je älter er wird, erst recht (vgl. Doppelbelastung).

Amerikaner
Die A. sind platt und geschmacklos, aber mit Zuckerguß. Deshalb sagen viele Menschen: A. hab†˜ ich zum Fressen gern (vgl. Gebäck, Gewalttätigkeit, Weltpolizist).

Anglizismen
Als A. bezeichnet man Übernahmen von englischen Begriffen in einen deutschen Text, wo sie die Qualität von Kotzbrocken annehmen. Die Deutschen zeigten schon immer einen peinlichen Hang dazu, ihre Sprache mit Wörtern der jeweiligen Lingua franca zu spicken. Die Latein-Mode des späten Mittelalters und die Französisch-Mode de...

Antisemitismus
Erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommener dummer, weil zu weiter Begriff, der ausschließlich Judenfeindlichkeit meint. Deren Ursprünge liegen schon vor der bei uns üblichen christlichen Zeitrechnung, als das Hirtenvolk der Hebräer sich von allen benachbarten Hirtenvölkern durch seinen Monotheismus und den Anspruch, Got...

Arbeitslose
A. kann man durchaus als eine besondere Art von Losen betrachten. Denn der Arbeitgeber, der in die Lostrommel greift, hat bezüglich Hauptgewinn und Nieten kaum mehr oder weniger Chancen als bei jeder anderen Verlosung (vgl. Glücksspiel, Menschenbeurteilung).

Atomstreit
Meinungsverschiedenheit zwischen dem selbsternannten Weltpolizisten Amerika und dem mumifizierten Kommunistenstaat Nordkorea über die Berechtigung zum Besitz von Atomwaffen. Weil Nordkorea bereits Atomwaffen hat, wird dieser Streit nur verbal ausgetragen und nicht durch eine Invasion mit weitgehender Zerstörung des Landes wie im Falle Ir...

Bart
Der B. ist als das auffälligste sekundäre Geschlechtsmerkmal des Mannes das Pendant zum Busen der Frau. Er ist - über die Jahrhunderte gesehen - viel stärker Modetrends unterworfen als die weibliche Brust, da die B.- Moden manchmal bis hin zur Forderung der Totalentfernung gehen, während die Frauen ihren Busen nur mehr ode...

Basis-Instinkt
Das, was dem Menschen bei seiner Fortentwicklung vom Instinktwesen zum Verstandeswesen, an Instinkt geblieben ist (vgl. Ich-Instinkt).

Bauchgefuhl
Immer öfter verlassen sich die Zeitgenossen auf ihren Bauch statt auf ihren Kopf, wenn es um Entscheidungen geht, von denen einiges abhängt. Mit anderen Worten Gefühl statt Verstand. Nach dem Motto: Jeder mit dem, was er hat. Darin werden sie noch bestärkt von Psychologen, deren halbwissenschaftliche Erkenntnisse besser zum Bau...

Bauer
B. ist das Gegenstück zu Dichter. Für die Grundversorgung einer Gesellschaft ist der eine so wichtig wie der andere. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was mit einer Gesellschaft los ist, erkennt man daran, wie sie den einen und den anderen fördert (vgl. EU-Subventionen, Grüner Plan, Landwirtschaftsminister, Dichter). ...

Bauernfängerei
Der Schimpfwort Bauernfänger für Betrüger entstammt der Berliner Gaunersprache um die Mitte des 19. Jahrhunderts und ist ein Beispiel für das - unberechtigte - Überlegenheitsgefühl des Städters gegenüber dem Landbewohner, der als unerfahren und arglos abgetan wurde. Durch Reichsnährstand und Grünen...

Beamte
Ein besonderer Arbeitnehmerstatus, entstanden aus der richtigen Überlegung, daß ein Staat sich auf die absolute Loyalität bestimmter Berufsgruppen verlassen können muß, um auch noch in Extremsituationen funktionieren zu können. Deshalb gilt für B. das Streikverbot und die jederzeitige Versetzbarkeit, als Gegenl...

Bedeckungsveränderliche
Unnötig aufgeplusterte offizielle Fachbezeichnung für die Sterne, weil sie je nach Bedecktheit des Himmels von der Erde aus anders zu sehen sind. Setzt man allerdings für Sterne das englische Wort Stars, hat man mit Bedeckung eine treffliche Definition für den viel bewunderten sexuellen Mehrverkehr, der bei ihnen üblich is...

Beischlaf
B. ist nicht gleich B. Die gute Ehefrau ist, wenn Bedarf besteht, zur Verfügung. Die richtige Geliebte aber verzehrt sich nach dir †“ und dich, so sie dich endlich zur Verfügung hat (vgl. Bescheidenheit, Ehe, Geliebte, Treue).

Bekanntheit
Bekannt ist, wen die kleinen Leute durch seine regelmäßigen Auftritte im Fernsehen oder von der Bild-Zeitung her kennen. Das bringt viel Geld, hat aber den Nachteil, daß man dafür einer von ihnen werden muß (vgl. Niveau, Persönlichkeit).

Bekehrung
B. kommt bei einfach gestrickten Gemütern immer gut an. Saulus bekämpfte das Christentum und wurde als Paulus sein wichtigster Apostel, Joschka Fischer bekämpfte den Staat und wurde als Joseph Fischer Minister, der Hacker X bekämpfte den Software-Giganten Microsoft und wurde als Herr YZ erfolgreicher IT-Unternehmer (vgl. Wendeh...

Belesen
Einst ein positives Urteil über einen Mitmenschen, stets kombiniert mit Augenaufreißen und dem Wörtchen sehr. Aber seitdem man weiß, wie kritiklos beispielsweise Karl Marx und Adolf Hitler krauses Lesefutter in sich hineingefressen haben, was zu desaströsen Folgen im Weltformat führte, gilt Belesenheit leider nicht ...

Beruf
Was früher oft mit Berufung zu tun hatte, wenn auch nur in der Einbildung, hat heute bloß noch mit Geldbedarf zu tun und wird deshalb mit recht als Job abgetan (vgl. Berufsethos, Gottesgnadentum, Pfarrer).

Berühmtheit
Von Karl Kraus stammt der Ausspruch: †žIch bin berühmt †“ es hat sich nur noch nicht überall herumgesprochen.†œ Recht hatte er. Denn unsterblich ist man, sobald man dafür die Werke geliefert hat. Ob die Öffentlichkeit einen deshalb schon zu der Gruppe der Berühmtheiten zählt oder nicht, hängt von a...

Beschäftigung
Selbständige und Freiberufler arbeiten gegen die Hast der Uhr an, nicht selbständig Beschäftigte gegen ihre Langsamkeit. Dabei bleibt die Gangart der Uhr stets gleich. Nur die Arbeitsergebnisse sind sehr unterschiedlich (vgl. Arbeit).

Bestseller
B. sind Bücher, die Autoren, Verlegern und Buchhändlern Freude machen. Weil sie Geld in die Kasse bringen. Wegen der Anspruchslosigkeit der großen Masse ist es naheliegend, die Faustformel aufzustellen: Ein Buch gibt dem Autor, dem Verleger und dem Buchhändler um so mehr, je weniger es den Lesern gibt - und umgekehrt (vgl.: Ko...

Betrüger
Nein, sagte er, damit betrüge ich meine Frau doch nicht. Ganz im Gegenteil. Ich gebe nur immer wieder anderen Frauen die Gelegenheit, mir zu beweisen, dass meine Frau doch die beste ist. Zugegeben, klingt recht verwegen, wie er seinen Seitensprung rechtfertigt, enthält aber viel Wahrheit (vgl. Treue, Weltmann).

Bewußtsein
B. ist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Wenn auch nicht jeden. Weil die meisten Menschen in Sachen Bewußtseinserweiterung zu träge sind. Denn die ist nicht mit Dösen und nicht mit Drogen zu schaffen, sondern nur mit Denken. Ein entwickeltes B. verhilft dazu, das Leben leichter in den Griff zu bekommen. Denn: ... alles,...

Bezahlung
Was bezahlt wird, ist nichts wert, weil das Geld dahinterstehenden Zwecken dient. Wertvolles wird lieber als unbezahlbar angenommen (vgl. Ehrenamt, Künstler, Lohnarbeit).

BfA
Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Berlin heißt so, weil sie den Tausenden von Angestellten, die sie beschäftigt, einen sicheren Arbeitsplatz bietet. Alle sechs Jahre veranstaltet sie eine sogen. Sozialwahl, zu der rund dreißig Millionen Haushalte in Deutschland mehrfach mit Postsendungen beglückt we...

Bierce
Ambrose B. (1842 †“ 1913) war der konkurrenzlos frechste amerikanische Journalist. Aus Wut über den †žDurchschnittsmenschen, den ewigen Schafskopf†œ und auch darüber, daß er zeitlebens an der Journaille hängenblieb. Weil der exzellente Schreiber von seinen Kurzgeschichten über Bürgerkriegserlebnisse un...

Big Brother
In dem Zukunftsroman †ž1984†œ von George Orwell eine warnende Bezeichnung für das allgegenwärtige Kontrollorgan im totalen Überwachungsstaat. Neuerdings so gern wie gähnend langweilig als Fernsehshow einer ferngesteuerten Laienspielschar inszeniert. Der Reiz liegt in der scheinbar echten Mischung von Reality-TV, Beoba...

Bild-Zeitung
Die größte deutsche Straßenverkaufs-Tageszeitung. Gegründet 1952. Arbeitet nach dem Prinzip: Das Kleine groß und das Große klein bringen, damit der Konsument nicht durch Schwieriges belastet wird und sich doch einbilden kann, er sei informiert. Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Der Name †žBild†œ kommt sowen...

Bildung
Unter Bildung verstand man früher die Gesamtheit dessen, was durch die Sozialisierungsmaßnahmen aller Art der Natur des einzelnen Menschen an Kultur hinzugefügt worden war. Die umfangreiche, positiv besetzte Wortgruppe B., zu der Begriffe wie gebildet, Gebildeter, B.s-Beflissenheit, Aus-B., B.s-Grad, B.s-Anstrengungen, B.s-Stolz ge...

Bildungsnotstand
Ein weitverbreitetes Leiden, dessen Besonderheit ist, daß die Betroffenen selbst nicht daran leiden. Sie fühlen sich im Gegenteil sauwohl und zeigen ein entsprechendes Selbstbewußtsein. Darunter leiden deshalb allenfalls ihre Mitmenschen. Meist wird die Diagnose B. auf ganze Gesellschaften angewandt, nämlich wenn man besonder...

Bionik
Ein noch junger Wissenschaftszweig, der in der Natur gefundene geniale Problemlösungen in die Welt der Technik überträgt. Eine solche Problemlösung ist beispielsweise die bei allen Lebewesen gleichzeitige Entwicklung von Maul und Arsch, die uns zur selbstverständlichen Zusammenschau von Versorgung und Entsorgung brachte. D...

Blaue Blume
Die berühmte B. B. der Romantik ist nicht mehr gesucht (vgl. Bildung, Bewußtsein, Denken).

Blogs
Kurzform für Weblogs, die interaktiven Online-Foren, in denen die Nutzer ihre Gedanken, Meinungen, Beobachtungen, Urteile, Vorurteile und üble Nachrede zu einem gemischten Salat zusammenwerfen. Weil sie dabei meist auf Prominente zielen, die sich dagegen nicht wehren können, zeigen sich B. in den USA, dem Ursprungsland dieser Ver&ou...

Blondine
US-amerikanisches Idealbild der jungen Frau, zu dem außer langem, superhellblondiertem Haar und schwarzer Augendekoration ein im übrigen total haarloser Körper gehört, mit vollem Busen und leerem Gehirn. Betonter Kontrast zu den dort massenhaft vorkommenden schwarzen und Mischlings-Schönheiten (vgl. Rassismus, Schönh...

Blutdürstig
B. sind wir alle. Von unseren guten Erfahrungen im Mutterleib fürs ganze Leben geprägt (vgl. Krimikultur)

Bluter
Leute, die an einer Degenerationserscheinung leiden, die sie ohne Ursache und dazu beinahe unstillbar bluten läßt. Im übertragenen Sinne sind auch ideologiefundierte Institutionen wie Kirchen und Gewerkschaften B., weil ihnen die Mitglieder weglaufen, ohne dass es ein Mittel dagegen gibt ( vgl. Glaubwürdigkeit).

Boulevardpresse
Was auf der Straße breitgetreten wird, ist Scheiße. Alles andere hätte längst einer aufgehoben (vgl. Bild-Zeitung, Boulevardliteratur, Boulevardtheater, Schuhputzer).

Brandschatzen
Einer aus dem Arsenal von Begriffen, die Journalisten stets falsch benutzen. Für sie ist das B. ein schönerer Ausdruck für das Plündern und Brandstiften. Dabei bedeutet das B., daß †žblo߆œ mit dem Anzünden eines Hauses oder einer ganzen Stadt gedroht wurde, um bestimmte Abgaben zu erpressen (vgl. Bum...

Brauchen
Für uns Deutsche ein schwieriges Wort. Sein Gebrauch geht meist daneben. Denn b. kann man so viele Dinge, doch ob man sie dann auch richtig gebraucht, hängt von den persönlichen Einsichten und Fähigkeiten ab. Hilfreich ist der Merksatz: Wer b. ohne zu gebraucht, sollte b. überhaupt nicht gebrauchen (vgl. Grundbed&uum...

Briefträger
Ein Berufsstand, der um seinen Erhalt kämpfen muß, weil im E-Mail-Zeitalter immer weniger Briefe verschickt werden. Der B. hat deshalb, auch wenn er Beamter ist, nichts dagegen, sich hauptsächlich als Prospektverteiler einsetzen zu lassen (vgl. Beruf).

Brille
Die B. ist als Krücke zum besseren Sehen seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bekannt. Sie wurde stets als ein notwendiges Übel angesehen, aber auch als Kennzeichen des Intelligenzlers, weil nur dieser eine Lesehilfe brauchte. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Verhältnis auf den Kopf gestellt worden. Die Erst- und Zweit- und Dritt...

Brüste
Über männliche B. kein Wort, weil sie eher peinlich sind. Weiß doch kein Mensch, wozu der Mann sie hat. Die weiblichen Brüste sind zwei mit je einem Ventil geschmückte Fetthöcker, die nach einer Geburt für kurze Zeit mit Milch für den Säugling gefüllt sind. Höher als dieser Gebrauchswert ist ...

Buch
Die das Wort B. fehlerfrei schreiben können, sind in unserer Gesellschaft die Mehrheit. Gratulation! Die hin und wieder ein B. kaufen, gehören schon zu einer kleinen, radikalen Minderheit. Die es auch lesen, stellen den harten Kern der Extremisten dar. Diese Typen können nicht vermeiden, daß man ihnen anmerkt: Sie sind ihren M...

Bumerang
Der B. ist erstens eine in Frühkulturen übliche Jagdwaffe aus einem gebogenen Wurfholz, dessen Besonderheit es ist, daß es in die Hand des Werfers zurückkommt, falls es das Ziel verfehlt hat. Der B. ist zweitens eine Lieblingsfloskel heutiger Journalisten. Wobei man sich darauf verlassen kann, daß sie stets falsch angewa...

Bundespräsident
In Deutschland als der erste Mann im Staat der Vorsänger der Nation. Politischer Kastrat mit extrem hoher Tonlage (vgl. Nation, Showgeschäft).

Cancan
Ein aus Algier stammender Tanz. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Paris durch Etablissements wie das †žMoulin Rouge†œ und durch die gemalten Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec weltweit bekanntgemacht, durch die überzeugende Beinarbeit der Tänzerinnen zum Inbegriff der Lust geworden. Ein früher Höhepunkt in der jah...

Charakterdarsteller
Wer im landläufigen Sinne Charakter hat, bringt die schlechtesten Voraussetzungen dafür mit, C. zu werden (vgl. Konkurrenzkampf, Schauspieler).

Charakterfach
Wenn eine Frau in die Jahre kommt und immer mehr Zeit vor dem Spiegel verbringt, mit immer weniger Vergnügen an ihrem Abbild, wechselt sie ins C., so sie gescheit ist. Ein Mann, der in die Jahre kommt, vergißt einfach alles, was mit Charakter zu tun hat, so er gescheit ist (vgl. Gleichberechtigung, Moral).

Chat
Schriftlicher Dialog in Echtzeit im Internet, vor allem von Surfern genutzt, die sich nichts zu sagen haben und das nicht einmal richtig schreiben können (vgl. Kinderei).

Chef
Der Mann mit dem gespreizten Auftreten, weil er immer mit dem einen Fuß schon auf der Abschussrampe steht, mit dem anderen im Gefängnis. Trotzdem oder deswegen umschmeicheltes Feindbild, das die Gruppe der Mitarbeiter zusammenschweißt †“ gegen ihn (vgl. Neid, Widerspruchsgeist).

Christentum
Ursprünglich von den kleinen Leuten als ideale Welterklärung empfundene Religion, weil sie jeden Menschen als gleich wertvolles Kind Gottes sieht. Erst mit 300 Jahren Verzögerung von den Großen als ideales Instrument der Gängelung der kleinen Leute erkannt und übernommen (Kaiser Konstantin I. u.a.). Nachdem die klein...

CNN
Viel mehr als bloß ein amerikanischer Nachrichtensender. C. am Morgen vertreibt alle Sorgen. Denn du kannst noch so häßlich sein, fürs Fernsehen, siehst du, bist du gerade richtig. Wenn du auch absolut nichts zu sagen hast, hier lernst du, es überzeugend zu bringen - und bist schon wie einer der Großen. Und die sch...

Commitment
Ein neues Modewort, üblich unter Leuten, die noch nicht kapiert haben, daß sie sich als †žgeistige Kleingärtner outen†œ, wenn sie ihre Rede mit möglichst vielen englischen Ausdrücken spicken. Diese Pidgin-Englisch-Sprecher lieben es, sich auf irgendwas zu †žcommiten†œ, womit sie eine nur halbe Zusage m...

Computer
Der C. wurde anfangs als Elektronengehirn bezeichnet, obwohl er nicht einmal bis zwei zählen kann, nur 0 und 1 kennt. Seine jahrzehntelange Höherentwicklung hat daran sowenig geändert wie an dem himmelweiten Abstand zu unserem Gehirn. Was uns erst richtig ermessen läßt, was in uns steckt, obwohl es - genau wie die meisten...

Computerkids
Die so hingegeben mit dem Computer spielenden Kinder erleben jetzt das, was der Gebildete seit eh und je sein Vergnügen nennt: Einfach mal dieses mit dem verbinden und dabei von jenem überrascht werden (vgl. Lernmethoden).

Content
Ein Modewort der Jahrtausendwende, meist inhaltslos benutzt. Englisch, damit es mehr zu enthalten scheint als das deutsche Wort Inhalt. Dabei wäre man schon glücklich, wenn die Inhalte überhaupt wieder zur Bedeutung kämen in unseren modernen Design-Namedropping-Trademark-Optik-Show-Gesellschaften (vgl. Persönlichkeit). &nb...

Datenmüll
Alles menschlich zu sehen ist kein Patentrezept. Wer beispielsweise beim Computer vom Elektronengehirn spricht, muß den D. als Elektronenscheiße bezeichnen. Diese Produkte der Überfütterung, auch Datenschmutz oder Spam genannt, werden den Mitmenschen mittels Internet rücksichtslos in den Weg gelegt. Die Arbeit, die ihre ...

Datenschutz
Der Begriff ist einer der modernen Euphemismen. In der Praxis bleiben die persönlichen Daten der Bürger für die staatlichen Institutionen trotz D. weitestgehend zugänglich. Lediglich der zwischenmenschliche Kontakt der Bürger wird durch D. massiv erschwert, was das Regieren zusätzlich erleichtert. Der Trend zur weiter...

Debütanten-Literatur
Es hat Zeiten gegeben, da wollte man von Debütanten nichts hören. Die sollen erst mal Lebenserfahrung sammeln, ehe sie den Mund aufmachen, hieß es. Doch das gerade geborene 21. Jahrhundert erbaut sich an D.-L. als dem A und O, weil es so beruhigend ist, von jungen Menschen zu erfahren, daß sie alles zum Kotzen finden, wenn ma...

Deismus
Im Unterschied zum Atheismus leugnet der D. nicht die Existenz Gottes, sieht den alten Herrn aber immer noch an seinem Ruhetag, dem 7. Schöpfungstag, auf der faulen Haut liegen. Weil in der Genesis von einem 8. Tag der Woche und von neuen Taten Gottes nichts gesagt wird. So die Auffassung von Aufklärern des 17. und 18. Jhdts. (sogen. Dei...

Dekadenz
Seit rund 300 Jahren hätscheln wir das Gefühl, daß alles Kultiviert-Überfeinerte der westlichen Gesellschaften nur Erschöpfungssymptome sein könnten und wir deshalb eines Tages dem Neuen und Barbarischen, woher auch immer es kommen mag, zum Opfer fallen müssten. Manch einer glaubte darin sogar eine übergeor...

Demokratie
Als D. (Volksherrschaft) bezeichnet man eine Regierungsform, in der das Volk durch gelegentliche Wahlen, Volksbegehren oder Volksabstimmungen ein Quentchen Einfluß auf die Regierenden ausüben kann. Was offenbar zuwenig ist. Denn Parteienverdrossenheit und Wahlboykott wachsen. In allen Ländern, in denen keine Wahlpflicht wie z. B. i...

Denken
Immer noch das Abenteuer par excellence. Wer denkt, der Computer nehme ihm das Denken ab, hat falsch gedacht (vgl. Hohlkopf, Luxus).

Denkmal
Ein D. soll dazu dienen, entweder einen großen Menschen oder ein großes Ereignis in Erinnerung zu halten (Ehrenmal oder Mahnmal). Ob es sich dabei tatsächlich um Größe handelte, spielt keine Rolle, ausschlaggebend ist allein die Meinung der Leute, die das D. aufstellen lassen. Gelegentlich erzeugt man auch erst mit dem ...

Depressiv
Früher sagte man: Dieser Mensch ist traurig, weil ihn was bedrückt. Die Psychobastler haben daraus die persönliche Eigenschaft depressiv gemacht. Der Unterschied ist: während man sich früher darum kümmerte, das zu ändern, was den Menschen bedrückte, drückt man ihm heute den Stempel einer Krankheit auf u...

Designerkleidung
D. hat für den modernen Massenmenschen eine solche Bedeutung erlangt, daß die immer noch unterschiedlichen Köpfe über der Einheits-Markenware störend wirken. Vielleicht sind Stahlhelme und Gasmasken das, was uns mal wieder nottut (vgl. Hohlkopf, Persönlichkeit).

Deutscher
Gelernter Untertan mit einem Hang zum Grübeln und ohne jedes Selbstbewußtsein, im übrigen dankbar für jede Handvoll Asche, die er sich nicht selbst aufs Haupt streuen muß (vgl. Deutscher Michel, Sprache, Verallgemeinerung, Xenophilie).

Dialekt
Jeder D. ist Mutterlaut und deshalb jeder Hochsprache an Gemütswerten und an Intensität des Ausdrucks überlegen. Ein D.-Sprecher jedoch, dem noch als Erwachsener die Hochsprache Schwierigkeiten bereitet, erweist sich damit als nicht richtig abgenabelt. Das wirkt sich negativ auf sein beruflichesFortkommen aus. Zu unterscheiden nach ...

Dialektik
Während ein unvereinbarer Widerspruch eine Antinomie ist und bleibt, sollen spitzfindig konstruierte Widersprüche sich durch D. überwinden lassen. Dabei ist zu bedenken: Dem griechischen Ursprung nach kommt D. von †žsich unterhalten†œ. Deshalb ist die D. mehr unterhaltsam als informativ. Den Begriff soll der griechische Ph...

Dichter
D. ist das Gegenstück zu Bauer. Für die Grundversorgung einer Gesellschaft ist der eine so wichtig wie der andere. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was mit einer Gesellschaft los ist, erkennt man daran, wie sie den einen und den anderen fördert (vgl. Hungerleider, Bauer).

Dienstleistungsgesellschaft
Angeblich soll sich jede moderne Gesellschaft zur D. entwickeln. Was in Deutschland nicht funktioniert, weil die meisten Dienstleistungsunternehmen frühere Behörden sind und es mit der bloßen Privatisierung nicht getan ist, solange uns das Dienen ein Fremdwort bleibt (vgl. Lächeln).

Diktatur
Eine Herrschaftsform, die zwar uralt ist (Tyrannis und Despotie), die aber im Zeitalter der Demokratieverherrlichung vor allem wegen der brutalen Methoden, mit denen der Diktator seine Herrschaft zu sichern sucht, einen schlechten Geruch bekommen hat. Dabei ist die D. meist effizienter als die Demokratie (Hitler und Stalin), und sie hat peinlicher...

Diät
In der Einzahl ein zweifelhafter Vorschlag, durch gezielte Enthaltsamkeit im Essen eine Verschlankung zu erreichen. In der Mehrzahl dagegen wird zweifellos nur eine Verdickung erreicht. Wogegen auch ständige, meist unanständig überzogene Steigerungen nicht helfen (vgl. Körperkultur, Politiker).

Dolly
Mit dem ersten geklonten Tier, dem Schaf D., hat kurz vor Beginn des dritten Jahrtausends nach der Zeitenwende ein zweites Mal der Tanz um das Goldene Kalb angefangen. Da schon das erste Tänzchen vor drei- bis viertausend Jahren zum Zerbrechen der Gesetzestafeln geführt haben soll, ist damit zu rechnen, daß in kürze wieder heh...

Doping
Unter D. versteht man ein medikamentöses Aufputschen des Körpers, wodurch er Leistungen vollbringen kann, die jenseits der natürlichen Belastungsgrenze liegen. Diese natürliche Belastungsgrenze ist jedoch wichtig, weil sie die zum Überleben notwendige letzte Kraftreserve schützt. Insofern ist Doping ein Spiel mit dem ...

Dotcoms
Sammelbezeichnung für alle Unternehmen, die im Internet mit der Endung Punkt und dem Zusatz commerziell (com) auftreten und bei denen es ohne Belang ist, was vor dem Punkt (englisch: dot) steht, weil sie ohnehin keine Inhalte zu bieten haben (vgl. Content, Internet).

Duden
Ein Wörterbuch, genannt nach dem Gymnasiallehrer Konrad D. (1829-1911), der 1880 ein †žVollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache†œ herausgebracht hat. Weitergeführt und vielbändig ausgebaut vom Bibliographischen Institut Mannheim, versucht es, auch oft vorschnell aufgenommene Schludrig...

Dumm
D. zu sein ist viel schlimmer als boshaft, weil die anderen auf einen Dummen nicht einfach dreinschlagen können, so sehr es siereizt. Die Gesellschaft verlangt, dass man Verständnis für die Dummen hat, dass man sich in Geduld übt, dass man daraus resultierende Benachteiligungen klaglos hinnimmt. Alle anderen Reaktionen sind als...

Dummheit
Die Krankheit, an der weltweit die allermeisten Menschen leiden, meist allerdings ohne es zu merken. Dummerweise gibt es ausgerechnet gegen diese Volkskrankheit keine Medizin (vgl. Dumm, Pandemie).

Durchblick
Wer sein Leben nicht dazu nutzt, sehen zu lernen - und das ist was anderes als fernsehen -, der wird gelebt, statt daß er lebt (vgl. Fernsehen, Bewußtsein).

Egoismus
Unter E. versteht man das Vorherrschen des eigenen Interesses. Was bei allen Menschen selbstverständlich ist, denn es gibt für einen Menschen nichts Wichtigeres als ihn selbst. Dennoch ist es geschickt, den Mitmenschen ihren E. zum Vorwurf zu machen, weil man dann so aussieht, als wäre man anders. Nur selbst daran glauben, E. sei et...

Egomanie
Wer einem anderen Menschen, weil ihm dessen Selbstbezogenheit zu auffällig erscheint, die Geisteskrankheit E. an den Hals zu reden versucht, ist selbst nicht anders veranlagt, lediglich dümmer (vgl. Egoismus, Ich).

Egotismus
Philosophischer Versuch einer auf die ganze Menschheit ausgerichteten Glücksfindung, der leider zu dem Kalauer verkommen ist: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht (vgl. Egoismus, Ich).

Ehe
Die E. ist - immer nur auf Zeit - im Falle eines Fehlgriffs ein trostloses Ausnützungsverhältnis, im Idealfall eine symbiotische Gemeinschaft und im Normalfall so was wie ein vierhändiger Rückgriff auf die Eiserne Ration, und zwar aus der Einsicht heraus, daß das Leben einem sonst nichts bietet, weil man selbst ja nichts ...

Ehepaar
Zwei Menschen, die sich freiwillig aneinander fesseln lassen, weil sie am besten zu wissen glauben, wie sie einander Freude machen können. Pech, daß sie nach einiger Zeit auch wissen, wie sie einander am wirksamsten Wunden beibringen können (vgl. Scheidungsrate).

Eifersucht
Der Philosoph Schleiermacher soll die Platitüde verbrochen haben: 'E. ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.' Sprachlich reizvoll, aber unsinnig, weil der Mensch Lust sucht und nicht Leid. Der Schriftsteller La Rochefoucauld kam der Sache schon näher mit seiner Bemerkung: 'In der E. liegt mehr Eigenliebe als Lieb...

Eigentum
Das E. †“ meist in der Form eines Häuschens †“ ersetzt in unserem Lohnsklavenzeitalter die Galeerenketten früherer Zeiten. Die Fesselung ist perfekt und hält ein Leben lang, der Arbeitswille wird mit der Lohnpeitsche wachgehalten. E. ist der Eckstein eines brutalen Ausnutzungssystems. Und dennoch herrscht kein Mangel mehr ...

Einbürgerung
Deutschland ist so hart wie kein anderes Land mit einer E. auf den Bauch gefallen, nämlich mit der E. des Österreichers Adolf Hitler, der unsere Begeisterungsfähigkeit, unsere Wirtschaftskraft und unseren guten Ruf rücksichtslos mißbraucht und auf Jahrzehnte hinaus ruiniert hat, nur um sein Ich raushängen zu kön...

Einehe
Jeder weiß, daß sie unnatürlich ist, muß sich †“ zumindest scheinbar †“ aber daran halten. Erst der Blick ins Tierreich, wo es nicht um den Aufbau von Vermögen, um Versorgung und Erbrecht oder den ehrlichen Namen für die Kinder geht, auch wohl kaum um Gewohnheit und Bequemlichkeit, macht die E. zu einem i...

Einheitspartei
Weil Partei einen Teil meint, ist das Wort E. so unsinnig wie seine Übersetzung: Ganzteil. Dass man es trotzdem in politischen Auseinandersetzungen effektvoll einsetzen kann und dass Journalisten es gern nachbeten, entlarvt das Fußvolk als kopfloses Wesen, bei dem jede kosmetische Bemühung zwecklos ist (vgl. Kopffüßler).

Einsamkeit
Eine Situation, in der du dich nicht über andere ärgern mußt †“ dafür über dich selbst um so mehr (vgl. Ich).

Ekel
Ein starkes Gefühl des Abscheus. Tiere kennen keinen E., und auch uns Menschen wird er in den ersten Lebensjahren nur mühsam beigebracht. Wozu? Damit wir ein Leben lang das lästige Gefühl, das nicht einmal zur Gefahrenabwehr taugt, nicht mehr los werden (vgl. Natur, Sozialisation).

Emanzipation
Der Reinfall des 20. Jahrhunderts. Denn was als Befreiung der Frau aus der Abhängigkeit vom Mann gedacht war, entartete zur Angleichung an den Mann, womit sich die Frau die Last einer Doppelrolle auflud, bei gleichzeitigem Wegfall aller traditionellen Privilegien. Und weil Dummheit abstößt, wurde der Begriff Emanze zum Schimpfwort ...

Enkel
Enkel sind das Größte, sobald man einsehen muß, daß man aus sich selbst nichts Großes gemacht hat und auch aus seinen Kindern nichts Großes mehr werden kann (vgl. Nachkommenschaft).

Entlassungsproduktivität
Einerseits als Unwort des Jahres 2005 verworfen, andererseits als Fachbegriff in die Betriebswirtschaftslehre aufgenommen. Der besondere Reiz liegt in der Prägnanz der Bezeichnung für einen komplizierten Zusammenhang. Das A & O des Wirtschaftens ist bekanntlich die Produktivitätssteigerung. Die Faustformel dafür heißt...

Entschädigung
Ein Wort, das nach jahrzehntelanger Zahlung von E.en Deutschlands aus dem deutschen Wortschatz gestrichen wurde, weil semantisch falsch und irreführend. In Wahrheit aber, damit nicht irgendwelche Leute eines Tages auf die fixe Idee kommen, eine E. zu verlangen für die Schäden, die sie im und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die v&ou...