Kopie von `Berliner Wörter von A bis Z`

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Berliner Wörter von A bis Z
Kategorie: Sprache und Literatur > Berliner Wörter
Datum & Land: 16/12/2008, DE
Wörter: 2113


aalen, sich
(umgs.) sich rekeln, sich genüßlich ausruhen. »Inne Ferien wer†™ ick ma richtich ausaal†™n.«

Aas
(mnd. a¯s) häufig gebrauchtes Schimpfwort. †™n ollet Aas, Aasbande, Aaskröte. »So†™n reichet Aas, dit stinkt zum Himmel.« »Dir Aas kenn†™ ick.« Ist niemand in einer Wohnung anzutreffen: »Keen Aas zuhause.« Aber auch zärtlich gemeint: »†™n richt†™jet kleenet süßet Aas.«

aasen
seit dem 19. Jh. im Sinne von verschwenden, vergeuden. Mutter zu ihrem Kind: »Aas nich so mit der Marmelade rum.« Auch: veraasen.

ab
erschöpft, abgearbeitet. »Vater is janz ab.«

abbeißen, einen
einen Schnaps trinken.

abblitzen
zurückgewiesen werden, einen Korb bekommen.

abbrummen
eine Strafe absitzen.

abbumsen
(ostberl.) ironisch für Ø abkindern.

abdrehen
weglaufen, flüchten.

aber fett
etwas bestätigen, anstelle von `aber sicher`.

abfahren
1. hinauswerfen. 2. »Ick fahr†™ uff die voll ab.«, jemanden oder etwas toll finden.

abfallen
mißglücken, zurückgewiesen werden. Passivisch mit lassen: jemanden schlecht behandeln.

abgeben, sich
sich befassen mit, schlechten Umgang haben mit. »Jib da bloß nich mit dem ab!«

abgebrannt
pleite, blank, ohne Geld. Ursprünglich bezogen auf denjenigen, der sein Haus durch eine Feuersbrunst verloren hat.

abgebrochener Riese
kleiner Mensch. Metaphorisch auch für jemanden, der hoch hinaus wollte, es aber nicht geschafft hat.

abgebrüht
kaltschnäuzig, gewissenlos, verschlagen, durchtrieben. Von nd. brüen = necken plagen.

abgehalftert
heruntergekommen. »Seit der keene Arbeet mehr hat, is er janz schön abjehalftert.« Abgeleitet von abhalftern = müde werden.

abgehen
losgehen. Insbesondere in der jugendsprachlichen Wendung »Da jeht die Post ab«, was meint: »Das geht echt geil los.«

abgemeldet
erledigt sein. »Der is bei mir abjemeldet«, der ist für mich erledigt, mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.

Abgewöhnen, zum
Ausdruck der Abscheu oder der Verachtung. »Der Typ ist echt zum Abjewöhn†™.« Auch als Entschuldigung: »Na, noch een Schnaps zum Abjewöhn†™.« Auch jugdsprl. †™ne Abjewöhne = ein unsympathisches Mädchen.

abhauen
sich davon machen, das Weite suchen. Als Drohung in der bekannten Redewendung: »Mensch, hau ab oder ick verjeß ma.«

abjachern, sich
bis zur Atemlosigkeit, zur Erschöpfung laufen, hetzen. Auch: abjachtern.

abkindern
(ostberl.) einen Staatskredit durch weitere Kinder ablösen. Ø abbumsen.

abklappern
absuchen. Verteiler von Werbeprospekten müssen »die janze Jejend bzw. die Briefkästen abklappern«.

abklavieren
abzählen. »Woher weeßt†™n dit?« - »Dit kann man sich doch an fünf Finger abklavier†™n.«

abkratzen
sterben.

abkurven
weglaufen, flüchten.

abladen
(rotw.) das Geld abladen/hergeben.

ablaufen, sich
einer Sache hinterherlaufen. »Bis de dit Jeld hast, kannste dir de Hacken abloof†™n.«

ablegen
bezahlen.

Ableger
eigenes Kind. Bildliche Erweiterung (Personifizierung) des Ablegers einer Pflanze.

ableuchten
überprüfen.

abluxen
etwas auf schlaue Weise an sich bringen, jemandem Geld auf unredliche Weise, besonders beim Spiel, wegnehmen.

abmachen
aus dem Sinn schlagen. »Mach dir dit ja ab!«

abmurksen
ermorden, töten.

abnehmen lassen, sich
anstelle von sich aufnehmen lassen, im Sinne von fotografieren lassen.

abnibbeln
sterben.

abplastern
abblättern. »Kaum ham se dit Haus jestrichen, schon plastert die Farbe wieder ab.«

abprachern
erbetteln.

abrabbeln, sich oder abrappeln
sich abarbeiten. Ø auch aufrappeln.

abrackern, sich
sich abarbeiten, sich schinden.

Abreibung
Tracht Prügel. Drohend: »Willst wohl †™ne Abreibung ham, wa?«

abreißen
1. eine Gefängnisstrafe absitzen (um 1900 aufgekommen). 2. Nur in der Negation im Sinne von `es hört nicht auf`: »Dit Rejenwetter reißt aber ooch ja nich ab.« Beruht auf dem Sinnbild des nicht reißenden Fadens.

abrocken
(jgdsprl.) tanzen.

abrubbeln
abreiben.

abschieben
verschwinden. »Schieb ab!« Abgeleitet von der im 18. Jh. belegten Bedeutungsvariante »weggehen, flüchten«.

abschrammen
fortgehen, fliehen.

Abspeckzuber
Badewanne.

abstinken
mißglücken, zurückgewiesen werden.

abwackeln
1. tanzen und 2. weggehen.

abwaschen
»Dit wäscht dir keen Rejen ab.«, das hilft dir alles nichts.

abäschern, sich
sich sehr bemühen, sich übermäßig anstrengen.

acheln
(jidd.) essen.

Achtgroschenjunge
früher für Polizeispitzel, heute für Stricher. Die Berliner Polizei zahlte im späten 18. Jh. dem Spitzel acht Ø Groschen für jede Anzeige.

achtkantig
jem. »achtkantig« = in hohem Bogen rausschmeißen.

Ackerlotte
ursprünglich Mädchen aus der Ackerstraße (Berlin-Wedding), heute für Mädchen mit schlechtem Benehmen.

ackern
arbeiten.

Affe
Bereits im 19. Jh. belegt, u. z. in der Wendung »Er hat sich †™nen Affen jekooft.«, er ist betrunken. Heute ein häufig benutztes Schimpfwort in zahlreichen Komposita: Affenarsch, du alter Affe etc. Eine Affenjacke ist eine zu kurze Jacke (Anfang des 19. Jhs. von engl. monkey-jacket), unter Affentheater versteht man ein wirres Durcheinander. Eine Affenschleuder ist eine Schaukel, während Affenschaukel nicht eine Schaukel bezeichnet, sondern ironisch die Straße `Adlergestell` Eine besondere Schmach ist eine Affenschande (nd. apenbare Schanne »offenbare Schande«), ein Lackaffe ist ein eitler Mensch. Wer beim Sitzen eine komische Haltung einnimmt »sitzt wie†™n Affe uff†™m Schleifstein«. Jemand, der perplex ist, sagt: »Ich gloob, mich laust†™n Affe.« An einem besonders heißen Tag ist †™ne Affenhitze. Folge: »Ick schwitz wie†™n Affe.« Bleibt noch die Frage: »Du bist wohl vom Affen jebiss†™n?«

Akedemie auch Akemie
ironisch für Akademie.

Aki
Fertigkeit. »Du hast keen Aki bei†™t Verkoofen.« (frz. avoir de l†™acquis `etwas los haben`).

Akovit
schlechter Branntwein (von lat. aqua vitae).

Aletebaby
Bezeichnung für Willy Brandt Anfang der 60er Jahre. (Alete = Markenname einer Kindernahrung)

Alex
Alexanderplatz in Berlin-Mitte.

alle
1. zu Ende. »Der Kaffee is alle.« 2. alle werden = aufhören, sterben. »Davon wirste doch nich alle.«, d. h. das schadet dir nicht. 3. jem. alle machen jemanden fertig machen. 4. «Ick bin völlig alle«, völlig k. o. 5. «Wer†™n se alle!« - Verschwinden sie!

Alsche
Frau, Mutter, Alte. Nordd. seit dem 19. Jh.

Alter, Alte
Bruder, Partner, Vater, Freundin, Ehefrau, Mutter, Partnerin.

Alumücke
Düsenjäger.

Amateuse
Prostituierte ohne »Gewerbeschein«.

Ambacht
(aus dem Nl. = Handwerk) in Berlin: »Was is Ambacht?«, was ist Sache?

Amerikaner
rundes Gebäck mit Zuckerguß.

amtlich
»Dit is noch nich amtlich.«,es ist ungewiß.

amüsieren
»Ick hab ma amüsiert wie Bolle uff†™n Milchwagen.«, also hervorragend.

Amüsiertablette
Glatze.

anblaffen
jem. anmeckern. Von blaffen »schreien, schimpfen«, bereits im 15. Jh. belegt.

anblasen
jem. anmeckern, zur Rede stellen.

andudeln, sich eenen
sich betrinken. »Jestern abend hat er sich janz schön eenen anjedudelt.« Übertragen von im 19. Jh. dudeln = schlecht singen; wer viel getrunken hat, singt schlecht. Auch umgs. dudeln = kräftig trinken.

angeben
prahlen. »Der jibt an wie †™ne Lore Affen.«

angebufft
1. angestoßen. »Bist wohl anjebufft?«, spinnst wohl? 2. geschwängert, seit dem späten 19. Jh.

angenüchtert
angetrunken.

angesäuselt
angetrunken.

angeäthert
betrunken.

Angstmacher
Messer.

Angströhre
Im 19. Jh. für Zylinderhut (engl. anxiety hat = Angsthut); heute für eine enge Hose, insbesondere Jeans.

anhauchen
jem. grob anfahren.

Animus
(lat. animus = Geist, Seele, Mut) Ahnung. »Da hatt†™ ick gleich den richt†™jen Animus.«

anknabbern
»Dit Mädchen is ja zum Anknabbern.«, zum Liebhaben, zum Gernhaben.

anknippern
(mnd. knüppen = knüpfen) verknoten, mit einem Knoten anbinden.

ankohlen
scherzhaft anschwindeln.

ankratzen
sich einen Mann angeln.

anlabern
belästigen, ansprechen. Ø labern.

anlachen
eine Bekanntschaft machen. »War ick inna Disco, hab ick ma den Typen anjelacht.«

anlegen
sich mit jemandem Streit suchen, sich entzweien.

anmachen
sich jemandem nähern mit dem Ziel, mit ihm in†™s Bett zu gehen. Ø auch anquatschen, anwichsen.

anmeiern, sich
1. sich bei sozial Höherstehenden beliebt zu machen suchen. 2. schwindeln und 3. jemanden Ø anschmieren. 4. in Nachteil geraten: »Da biste anjemeiert.«

anmerken
an jem. etwas bemerken: »Dat hajik†™n gleich anjemerkt« - das ist mir gleich an ihm aufgefallen.

anmotzen
(jgdsprl.) anmeckern, beschimpfen.

anno dunnemals
Ø dunnemals.

Anodenwumme
Kofferradio.

anpeesen
schnell angelaufen kommen.

anpetzen
anzeigen. Ø petzen.